Hotel Bossa Nova on Tour

Sie sind längst kein Geheimtipp mehr, die Band rund um die wunderbare Sängerin Liza da Costa. Hotel Bossa Nova tourt seit Jahren durch die Republik und ausverkaufte Häuser sind inzwischen Normalität. FrauvonWelt hat sie live erlebt, im Walhalla im Wiesbaden, dort wo alles anfing, und im eigenen Salon, damals in Ginsheim.

Damals in Ginsheim versprach FrauvonWelt das “Girl von Ipanema” auf dem Akkordeon zu üben (hat sie gerade gelesen), muss aber zugeben, dass sie das immer noch nicht getan hat. Irgendwofür wird es schon gut sein. Lassen wir lieber Menschen auf die Bühne, die dafür geboren sind. Hotel Bossa Nova zum Beispiel. Jetzt im März gibt es einige Konzerttermine im Norden der Republik. Da seinerzeit viel gemeckert wurde, dass ja Ginsheim genau da liegt, wo Konzertwillige nie hinkommen, hier nun also die Termine für die Nordlichter:

11. März, Bluenote Arthouse, Osnabrück
12. März, LOLA, Hamburg
13. März, KITO, Bremen
14. März, Historischer Hafenbahnhof, Cuxhaven

Jetzt also hingehen und genießen.

Von Amtswegen

FrauvonWelt möchte bei Amt Z einen Antrag stellen. Sie ruft in der Zentrale an. Eine freundliche Stimme verweist sie an Sachbearbeiter M. FrauvonWelt ruft Sachbearbeiter M an und schildert den Fall. Woraufhin Sachbearbeiter M unsere FrauvonWelt an die Sachbearbeiterin K verweist. FrauvonWelt ruft Sachbearbeiterin K an, bespricht den Fall mit ihr, holt noch einige Informationen ein, spricht wieder mit Sachbearbeiterin K, die dann erklärt, jetzt sei man so weit, den Antrag stellen zu können, das wiederum müsse aber bei Sachbearbeiter M geschehen. FrauvonWelt ruft Sachbearbeiter M an, der weiß inzwischen nichts mehr von dem Fall und FrauvonWelt erklärt alles noch einmal. Gut, Sachbearbeiter M will sehen, was er tun kann und sich wieder melden. Es vergeht eine Woche, dann ruft Sachbearbeiter S an. Er habe von dem Fall Kenntnis bekommen und FrauvonWelt möchte sich doch bitte an die für ihre Region zuständige Sachbearbeiterin K wenden. FrauvonWelt erklärt dem Sachbearbeiter S, dass Frau K den Fall bereits kennt und sie an Herrn M weiter gereicht hätte und wenn man so weiter mache, sich endlos im Kreis drehe. Das sieht selbst Sachbearbeiter S ein. Er will jetzt selbst bei Frau K anrufen.
Zeitdauer vom ersten Anruf bis heute: 4 Wochen.

Anspruchsvolle Zeiten

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und denkt: Alles ist schief. Wo man hinschaut: schief, schief, schief. Die Menschen sind schief, sie laufen schief, sie sitzen schief und sie denken schief. Die Häuser sind schief, die Bäume stehen schief im Wind. Die Wirtschaft, die Politik, die Kunst, die Literatur, die Krokusse im Garten - Schieflage überall.

Anspruchsvolle Zeiten sind das. Manchmal muss man auf seinem Weg den Kopf einziehen. Und manchmal ist es besser, man schaut nicht nach vorn.

Letzte Reihe

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und summt ein Liedchen. “Brummer”, hatte ihre Klassenlehrerin in der Grundschule immer geschrieen, “setz dich zu den anderen Brummern in die letzte Reihe.” Dort saß sie also und verstummte. Wenn sie die Triangel spielen sollte, weigerte sie sich. Mach doch deine Scheißmusik selber, dachte sie dann. Die pädagogische Naturkatastrophe wehrte sich gegen derlei Verweigerung mit schlechten Epochalnoten. FrauvonWelt wehrte sich mit Bestnoten in den schriftlichen Arbeiten. Was das alles mit Musik zu tun hatte? Nichts. Schule halt.

Die Lehrerin ist tot. Ihr Sohn lebt noch und streitet sich gerade mit seinem Grundstücksnachbarn über ein paar Birkenäste, die einen Balkon zuhängen. Es sind seine Birken, die so schief wachsen, dass des Nachbarn Haus bald auch schief steht. Ihm ist das egal. Verklagen sie mich doch, hat er gemeint. Was das mit Nachbarschaft zu tun hat? Nichts. Lehrersohn halt.

FrauvonWelt brummt ihr Liedchen und wird wütend. Es gibt Menschen, die werden als Arschgeigen geboren und pflanzen sich dann auch noch fort. Pädagogenbrut. Dann gibt es aber auch Menschen, die können singen, die können tatsächlich richtig singen. Statt einer Triangel haben sie einen Stock. Sie haben selten Grundstücke mit schief wachsenden Birken. Aber in der letzten Reihe sitzen sie doch.

Rosa Löffel

FrauvonWelt hat Freunde besucht. FrauvonWelt hat ihnen Eierlöffel geschenkt, rosafarbene Eierlöffel. FrauvonWelt weiß, dass er keine rosafarbenen Eierlöffel mag. FrauvonWelt hat sie ja eigentlich auch ihr gschenkt. Sie findet die Löffel schön. Sind sie auch. Heute morgen gab es Eier im Glas an rosa Löffel. FrauvonWelt sah die Freude in seinem Gesicht. Etwas Pfeffer, etwas Salz. Die Eier schmeckten spitze. Sieben Minuten. Sieben-Minuten-Eier und rosa Löffel sind überhaupt der Hit am Sonntagmorgen. Dazu frische Brötchen und Laugenstangen. FrauvonWelt weiß, wie man sich Freunde erhält. Er hat sogar Schnee geschaufelt vorm Haus.

Draußen vor der Tür… (7)


Samstag, 20.02.2010, 16.15 Uhr

Mond ganz stille

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und denkt über die Welt nach. Wenn sie das tut, schaut sie meistens nach draußen. Draußen ist es kalt. Mondkalt. Komm runter, du Kugelding, wenn du dich traust. Monatelang, ach was jahrelang hab ich an dich geglaubt, hab mir die Haare geschnitten, wenn du es erlaubtest, habe meine Blumen gegossen, wenn du gesagt hast, jetzt ist Zeit. Geholfen hat es alles nichts. Okay, ich war nicht immer so hunderprozentig konsequent. Wer ist das schon?
Du, Mond. Ja, du bist konsequent. Man kann sich wirklich auf dich verlassen. Ich bin kein Mond. Keiner gießt Blumen, wenn ich es sage. Dabei wäre es für die Blumen wirklich besser. Weißt du was, Mond, manchmal wünschte ich, mich würde einer zu dir schießen. Behauptet haben schon viele, dass sie es könnten. Aber alles nur leere Versprechungen. So sind die Menschen. Man kann sich nicht auf sie verlassen. Sie reden und reden und reden. Sie wissen alles über Pflanzen und Blumen und all das Zeug, was dazu gehört, aber gießen, gießen tun sie die Pflanzen nicht. Ich kann sie nicht leiden, diese Menschen. Ich bin kein Menschenfreund. Aber ein Mondfreund bin ich auch nicht. Du hängst da oben rum, starrst auf die Erde und treibst deine Spielchen. Mach doch mal was Verrücktes.
Gibt es einen Weg zu dir? Ich würde gerne auf dir herum trampeln. Ein Feuerchen machen, da sitzen und auf die Erde starren. Wow. Komm, hol mich rauf zu dir, Mond. Okay, ich glaube, mein Wasseranteil ist zu gering. Ich weiß, ich sollte mehr trinken. Hab ich gerade eine Woche lang gemacht. Nur getrunken. Hat auch alles nichts geholfen. Es ist nie so wie man es gerne hätte. Manchmal ist es nah dran, manchmal nicht. Aber eigentlich ist das alles egal. Es ist schwer, heute ein Menschenfreund zu sein. Es ist schwer, sie nicht auf den Mond zu wünschen. Mond? Mond, hörst du? Warum wünscht man die Menschen zu dir? Was hast du so Schlimmes getan, dass man dir die Pest an den Hals wünscht? Oder kannst du die Menschen heilen? Ach was, kannst du nicht. Meine Haare liegen nie. Ganz egal, ob ich mich nach dem Mondkalender richte, oder nicht. Ganz egal. Haare sind überhaupt ganz egal.
Mond, ich würd gern auf dir spazieren gehen. Nur für eine Nacht. Sag doch was. Sag doch endlich was. Häng doch nicht so blöd da oben rum. Ach, Mond. Ich schaue dich jetzt nicht mehr an. Ich will dich nicht mehr sehen. Geh weg. Hau ab.
FrauvonWelt steht auf, macht das Licht an. Im schwarzen Fensterglas spiegelt sich der rosa Plüschsessel. Kein Mond mehr zu sehen. Ertrunken im rosa Plüsch.