Eisdielengetwitter

Frei nach dem Motto “Ich twittere mein Blog voll”:

*Fahre gerade an einer Eisdiele vorbei.*
*Denke an ein dreifaches Spaghettieis ohne Sahne.*
*Halte an, betrete die Lokalität und wähle einen Tisch am Fenster.*
*Bestelle ein dreifaches Spaghettieis ohne Sahne.*
*Genieße ein dreifaches Spaghettieis ohne Sahne.*
*Welt, du kannst mich mal. Ich werde jetzt dick und egoistisch.*
*Vorsatz: Das mach ich jetzt jeden Tag.*

Das schöne an Twitter ist ja: Es ist alles gelogen.
What are you doing?
Just twittering.

Ich fürchte, dick macht es trotzdem.

Think twice

Ich war vierzehn. Wir packten die Sachen. Zelte, Luftmatratzen, Decken, Schlafsäcke und was man sonst noch so braucht, wenn zwölf Teenies das Wochenende auf dem Zeltplatz verbringen wollen. Die Fahrräder wurden gesattelt, das Verstauen der Habseligkeiten war nicht ganz einfach. Einen Teil hatten die Eltern schon mit dem Auto zum Zeltplatz gefahren. Genau die Eltern, die man zuvor drei Tage (oder waren es Monate?) lang hatte überreden müssen, dem Abenteuer zuzustimmen.
Wir waren niemals ohne Kassettenrecorder. Auch die Fahrt zum Zeltplatz ging nicht ohne. Jeder hatte Kassetten dabei. Mühsam zusammen gestellt, aufgenommen, behütet wie ein Augapfel, selten verschenkt. Kassetten waren Heiligtümer.

Er schenkte mir eines seiner Heiligtümer. Die Kassette mit Billie Jean. Ich liebte diesen Song und, wie ich glaubte, irgendwie auch ihn. Wie man das halt so glaubte, wenn man vierzehn war, und eine Kassette geschenkt bekam. Eigentlich wollte ich erst schreiben: Wie man das halt so glaubt, wenn man vierzehn ist, und eine Kassette geschenkt bekommt. Aber heute bekommt man keine Kassetten mehr. Ich hab immer das Gefühl, man ist heute auch keine vierzehn mehr. Nicht mehr so wie wir. Und nein, es ist auch nicht so, dass heute alles früher kommt, dass sie alle nur früher reifer sind. Gerade das nicht.

Ich war vierzehn und ich hatte die Kassette. Ich war glücklich, wenn mir diese Kassette Billie Jean vorspielte. Zehn Mal, hundert Mal, tausend Mal am Tag. Ich musste nur wissen, dass er in der Nähe ist, dann war alles gut. Am Lagerfeuer sitzen, ihn reden hören, ihn lachen hören, die Welt war in Ordnung. Und immer wieder Billie Jean. Den anderen Mädels ging mein ständiges Zurückspulen schon auf die Nerven. Sie lachten, machten sich lustig. Ich spulte zurück.

Heute spule ich auch zurück. Oder werde ich zurück gespult? Aus meiner Billie Jean-Liebe von damals ist nichts geworden. Sie endete mit Bandsalat. Geblieben ist die Erinnerung an diesen Song. Ich weiß nicht mal mehr seinen Namen, aber den Text von Billie Jean, den kann ich heute noch.

Schick ihn in die Wüste

Susi hämmerte wie blöd an die Türe: „Mach auf. Lass mich rein.“
FrauvonWelt, die gerade aus dem Bad kam, stürzte zur Tür und wurde von ihrer panischen Freundin fast überrannt. „Wer hat dich denn gebissen?“
„Gebissen? Mich hat keiner gebissen. Aber ich könnte jemanden beißen.“ Susi ließ sich ins rosa Plüsch fallen und fing an zu heulen. FrauvonWelt griff zur Pfanne. „Spiegelei?“, fragte sie nur.
„Drei.“ gab Susi schluchzend zurück.
„Ohje, so schlimm?“
„Ich hab Schluss gemacht. Ich hab ihm gesagt, er solle aus meinem Leben verschwinden.“ Susi wurde wieder wütend und fing an in der Küche hin und her zu laufen und lautstark zu schimpfen.
„Herzlichen Glückwunsch, meine Liebe, klingt nach einem Glückstag. Nun setzt dich wieder hin. Hier, iss die Eier und dann erzähl.“

FrauvonWelt waren derartige Attacken und Anfälle ihrer Katastrophenfreundin Susi längst zur Gewohnheit geworden. Seit dem sie sich vor ewigen Jahren beim Frisör zum ersten Mal über den Weg gelaufen waren, gab es keine Woche, in der bei Susi nicht mindestens einmal die Welt und damit ihr Leben unterging.

Ja, sie hatte ein Problem. Ein ernstes. Es war zweiundvierzig Jahre alt und hieß Oliver. Oliver war Rechtsanwalt und auch sonst hatte er in seinem Leben noch keinen geraden Satz hervor gebracht. Susi und Oliver führten seit zwei Jahren so etwas wie eine offene Streitbeziehung. Der Anfang war im wahrsten Sinne des Wortes rosig, es gab keinen Abend, an dem Oliver seine Angebetete nicht mit roten Rosen bedeckte und ihr auf Knien für ihr Dasein dankte. Nach drei Monaten blieben die Rosen aus und die Streitereien fingen an. Oliver war krankhaft eifersüchtig. Auf so ziemlich alles. Vor allen Dingen auf FrauvonWelt. Das ging so weit, dass er durchdrehte, wenn Susi mit FrauvonWelt telefonierte und ihr Sachen erzählte, die er nicht wusste oder erst als Zweiter zu hören bekam. Wenn es nach ihm ging, und das ging es seiner Meinung nach immer, sollte Susi überhaupt nur noch mit ihm reden. FrauvonWelt machte irgendwann den Vorschlag, Susi solle ihn doch mal einen ganzen Tag lang mit Frauenthemen zuquatschen, mal sehen, ob er dann immer noch Erster sein wolle.

Susi und FrauvonWelt sammelten also eine komplette Bibliothek an Fachwissen über Slipeinlagen, Menstruationsbeschwerden, Absatzhöhen in Hollywood, Strickbikinis, Schwangerschaften bei den Royals, Eigentumswohnungen in Paris, Promi-Hochzeiten und Diätpläne. Kurzum, Susi quasselte los. Den ganzen Unrat an Buchstaben kippte sie in seine Ohren, mehr noch, sie stocherte noch nach, quetschte alles hinein, was ein Mann nie und nimmer über Frauen und ihre hochheiligen Angelegenheiten wissen möchte. Doch Oliver war glücklich. Ganz Anwalt ging er auf alles, was Susi ihm vorlog, wohlwollend ein, nahm seine Susi in die Arme und hätte ihr wohl auch versprochen, mit ihr am nächsten Tag Slipeinlagen einzukaufen, wenn Susi ihm nicht stolz den Inhalt einer Drogeriemarkttüte gezeigt hätte, natürlich nicht ohne zu versäumen, ihm die Details von Cellulitis und Blondierer zu offenbaren. Es half nichts, Oliver wollte Erster sein und Einziger. Er konnte nicht verstehen, warum Susi noch eine beste Freundin braucht, zudem noch eine, die ihn nicht ausstehen konnte, alles besser wusste und mit Susi dorthin ging, wo andere Männer waren.

Susi hingegen stand fest zu ihrer Freundin, allerdings auch zu Oliver, was FrauvonWelt wiederum gar nicht verstehen konnte. „Schick ihn endlich in die Wüste, diesen Obertrottel.“ Was Susi aber nicht tat. Warum sie es nicht tat, wird für FrauvonWelt wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Okay, er sah gut aus, verdiente aus unerklärlichen Gründen mit dem Beruf, den er gar nicht konnte, auch noch viel Geld und er war mit einigen Ausnahmen auch durchaus charmant. Irgendwann sagte Susi einmal, er wäre ein super Ersatzpapa für Bastian. Der zweijährige Rotzlöffel war zugegeben nicht gerade ein einfaches Kind. Aber einfache Kinder gibt es heute sowieso nicht mehr. Kurzum, für FrauvonWelt gab es keinen Grund für so einen Mann. Keinen.

….

Oder wird sie jetzt einen erfahren? Wird Susi ihre Entscheidung rückgängig machen? Werden Susis Tränen trocknen. Und: Hat FrauvonWelt jetzt noch Eier im Haus?

….

Sonne und Regen kann keiner bewegen

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel. Schaut sie links aus dem Fenster, dann regnet’s, schaut sie rechts, dann scheint die Sonne. Aber ehrlich gesagt, ist ihr das schnurzpiepegal. Hauptsache Wetter. Nichts ist schlimmer als kein Wetter.

Wenn der kleine Hunger kommt

… und er kommt ganz bestimmt, so um 11, vielleicht auch erst um 12, aber dann ist er gewiss da, die Gedanken an das WAS auch. Nicht lange überlegt: HIER gibt es die leckeren Sachen. Guten Appetit!

Herr Schoss hat wieder Haare

Ein ganz wunderbares Museum hat FrauvonWelt kürzlich besichtigt. Die Fotoausstellung war atemraubend. Aber die Unterschrift unter dem zweiten Bild, die hat FrauvonWelt dann doch kurz Luft holen lassen.

Dann war da noch…

die Dame, die meinte, sie müsse sich eine neue Speicherkarte für Ihre Digitalkamera kaufen, weil die alte schon wieder voll sei. FrauvonWelts Augen nahmen eine seltsame Färbung an, die Augenbrauen zogen sich verdächtig tief, die Nasenflügel wurden zu Stein, der Mund blieb offen. Sekunden verharrte sie so, suchte nach Worten, fand keine. Dann drehte sie sich um und ging. Weit weg. Ging ohne ein Wort. Ging zurück zu ihrem Plüschsessel, zurück in eine Welt, in der man sie versteht, und die sie versteht.