Archive for the 'Krankheiten von Welt' Category

Krankheit ohne Namen (3)

Welchen Namen hat diese Krankheit wirklich? Viel habe ich recherchiert, viele Fragen gestellt. Nicht immer habe ich Antworten bekommen. Eine Poliomyelitis scheint mir wahrscheinlich. Nun gut, ich hab es ja überstanden, könnte man einwenden. Fünf schreckliche Wochen und ein Schwur, den ich bis heute gehalten habe: Nie wieder Krankenhaus. Ein Leben ohne Krankenhaus ist nicht das schlechteste. Ich habe nichts vermisst.

Aber: Wenn ich tatsächlich eine Polio hatte, dann ist davon auszugehen, dass Zellen meines Rückenmarks unwiderruflich geschädigt wurden. Die Arbeit dieser Zellen wurde dann von anderen Zellen mit übernommen, aber diesen anderen Zellen wird das irgendwann zu viel. Dann kommt es zum Post-Polio-Syndrom. Kurzum: Die ganze Scheiße kann wieder kommen. Und die Trefferquoten sind vier Millionen mal besser als bei der Impfpolio. (Ich glaube, jetzt habe ich zum ersten Mal Scheiße hier im Blog geschrieben).

Nun ist es ja hier in dieser intergallaktischen Welt ziemlich egal, ob jemand Beine hat oder nicht, ob die laufen können oder eben nicht. Aber außerhalb dieser Galaxis kann man diese zwei Gerätschaften schon sehr gut gebrauchen. Der Gedanke, dass meine Beine in absehbarer Zeit ihren Betrieb einstellen könnten, beunruhigt mich daher schon ein wenig.

Mein Stoffhund ist übrigens immer namenlos geblieben.

Krankheit ohne Namen (1)
Krankheit ohne Namen (2)

Krankheit ohne Namen (2)

An Mamas Hand nach Hause gehen. Wie lange hat ich mir das gewünscht? Im Rückblick kommt mir die Zeit im Krankenhaus wie eine Ewigkeit vor. Lange Zeit hätte ich schwören können, es wären nicht fünf Wochen, sondern fünf Monate gewesen.
Obwohl ich erst fünf Jahre alt war, habe ich glasklare Erinnerungen an die Krankenhauszeit. Einzelne Bilder sehe ich ganz deutlich vor mir. Das Behandlungszimmer, wie ich auf der Liege sitze und meinen Arm frei mache für die Spritze. Das Patientenzimmer, die weiße Bettdecke, die Glaswand, durch die ich in die anderen Zimmer gucken konnte. Die Duschen, der Speisesaal, der Flur, die Dachterrasse. An nichts sonst aus dieser Zeit, kann ich mir so klar erinnern. Es ist, als sei mir jeder Tag zweifach in die Venen gespritzt worden. HIER fand ich eine alte Aufnahme von der Klinik. Allein der Anblick lähmt mich.
An die Zeit danach nach dem Klinikaufenthalt, kann ich mich kaum erinnern. Nur ein Bild habe ich noch vor Augen. Da sitze ich auf der Gartenmauer und zeige den anderen Kindern ganz stolz meine Einstiche an den Armen. Links wie rechts waren meine Armbeugen durchlöchert.
Der Chefarzt der Klinik kam regelmäßig in den Laden meiner Eltern einkaufen. Er erkundigte sich immer nach mir. Manchmal traf ich ihn, dann tätschelte er mir den Kopf. Ich schwieg. Er ist längst gestorben. Ich würde ihm gerne ein paar Fragen stellen.

Welchen Namen hat diese Krankheit wirklich? Ich wachte eines Sonntagmorgens auf und konnte meine Beine nicht mehr bewegen. Ich war hüftabwärts gelähmt. Es gab vorher keine erkennbaren Krankheitszeichen. An Schmerzen kann ich mich nicht erinnern. Ich bin kurz zuvor gegen Kinderlähmung geimpft worden: Schluckimpfung mit dem Lebendimpfstoff nach SABIN. Eine Impfpoliomyelitis ist zwar selten, aber möglich. Angeblich trifft es von 4,5 Millionen Geimpften nur einen: mich. Mit dieser Trefferquote sollte ich wohl Lotto spielen.

Krankheit ohne Namen (1)
Krankheit ohne Namen (3)

Ganz bezaubernd Jeannie

FrauvonWelt ist krank. Fieberströme rasen durch ihren Körper während sie diese wenigen Buchstaben kritzelt. Früher, wenn sie krank war, gab es immer Fernsehen, morgens Telekolleg, Dallas oder Denver, nachmittags Rauchende Colts, Die Waltons, Flipper und Bezaubernde Jeannie. Heute hat sie kein Fernsehempfangsgerät mehr, heute ist krank sein doof, (ist “doof” eigentlich ein vom Aussterben bedrohtes Wort, oder benutzt das noch jemand?). Morgen kauft sie sich einen Fernseher, wenn das Fieber vorbei ist. Ja, ja. Ganz bestimmt. Ganz bezaubernd Jeannie.

Morgen gibt es Telekolleg/Differentialrechnung.

Edit: Man kann übrigens alle drei Teile der Folge gleichzeitig abspielen, das spart Zeit.

In einem deutschen Krankenhaus…

Donnerstag, 30.10.2008
K wird mit einer Schwangerschaftsvergiftung in Klinik X eingeliefert. Nach der Blutuntersuchung steht fest: Lebensgefahr. Notkaiserschnitt. Das Kind muss sofort geholt werden. Der Vater des Kindes wird noch informiert, auf ihn warten geht nicht mehr.
Eine halbe Stunde später ist das Kind da, ein Mädchen. Vier Wochen zu früh, Gewicht 2.200 Gramm. In Klinik X gibt es keine Frühchenstation, also wird das Kind in Klinik Z gebracht. Der Vater, der inzwischen die Klinik erreicht hat, begleitet das Kind zu Klinik Z. Es ist sein erstes Kind.

Freitag, 31.10.2008
Man bemüht sich um eine Verlegung Ks in Klinik Z. Der behandelnde Chefarzt lehnt zunächst ab. Später am Nachmittag wird K doch verlegt. Der Empfang in Klinik Z ist sehr unterkühlt. O-Ton: „Na sehen Sie, jetzt sind Sie doch hier, hätten Sie mal gleich bei uns entbunden.“
K sieht zum ersten Mal ihr Kind. Es liegt auf der Intensivstation im Brutkasten.

Samstag, 01.11.2008
Die Blutwerte Ks stabilisieren sich langsam. Das Kind wird künstlich ernährt, Werte noch kritisch. Unfreundlichkeiten gegenüber K setzen sich fort. „Ach, Sie sind die aus Klinik X.“ Die Operationsnarbe schmerzt. Klinik X hat die Narbe geklammert, in Klinik Z wird üblicherweise genäht. Die Schwestern lehnen eine Behandlung ab: „Damit kennen wir uns nicht aus, bei uns wird so was genäht. Fragen Sie doch die, die das gemacht haben.“

Sonntag, 02.11.2008
Das Frühstück wird K nicht am Bett serviert, sondern auf dem Tisch im Zimmer abgestellt mit den Worten: „Sie können sich das ja holen, Sie können ja aufstehen.“
Die Kaiserschnittnarbe schwillt an und schmerzt. Die behandelnde Ärztin: „Wenn Sie sich ein Auto irgendwo kaufen, können Sie auch nicht in eine andere Werkstatt gehen und erwarten, dass das da repariert wird.“
K beschwert sich lautstark und unter Tränen über die Behandlung. Klinikleitung und Chefarzt werden mobilisiert.

Montag, 03.11.2008
Die private Krankenkasse wird informiert. Der Chefarzt erscheint bei K und hört sich die Beschwerden an. Er entschuldigt sich. Die Ärztin erscheint nicht mehr. Die Schwestern sind plötzlich freundlich, erkundigen sich erstmals nach dem Befinden des Kindes.

Der Rest ist die ewig gleiche Geschichte von Dummheit und Inkompetenz. Natürlich ist das Krankenhaus katholisch geführt.

Wortlos

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und rührt wortlos im Tee. Gestern hat ihr jemand gesagt, Halsschmerzen und Heiserkeit seien ein Zeichen dafür, dass einem die Worte fehlen.

Schiff ahoi oder Kreuzfahrt mit der Realität

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FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und bastelt Schiffchen. Ganz viele. Damit spielt sie dann Kreuzfahrt. Eigentlich geht die Reise ja nur über den Küchentisch. Aber egal. Die Sehnsucht hilft der Phantasie mit dem Meeresrauschen. Also rauscht es.

Das erste Schiffchen sticht in See. Die Menschen an Bord freuen sich auf die tolle Kreuzfahrt. Eigentlich steht das Schiffchen nur auf dem Tisch. Aber egal.

Das zweite Schiffchen gibt alles, um an dem ersten dranzubleiben. Volle Kraft voraus, ruft der Kapitän. Er lacht. Eigentlich steht das Schiffchen direkt hinter dem ersten Schiff und bewegt sich gar nicht. Aber egal.

Das dritte Schiffchen hat es schwer, es kann kaum Kurs halten und droht zu kentern. Die Besatzung hat alle Hände voll zu tun. Eigentlich ist das Schiffchen nur in den Strudel eines Hustenanfalls geraten. Aber egal.

Das vierte Schiffchen ist eine schicke Yacht, die hat es leicht. Eine hübsche Lady liegt auf dem Deck und schlürft Champagner. Eigentlich sieht das Schiffchen nur so gut aus, weil die Ränder sehr ordentlich gefalzt sind. Aber egal.

Das fünfte Schiffchen tanzt auf den Wellen. An der Reeling steht eine Frau und lächelt, vielleicht singt sie auch. Man kann es nur schwer erkennen. Eigentlich ist das Schiffchen schief gebaut und steht deshalb etwas schräg auf dem Tisch. Aber egal.

Das sechste Schiffchen gerät in ein Gewitter. Es regnet dicke Tropfen. Die Mannschaft ist in Sekundenschnelle klatschnass. Eigentlich waren es nur zwei Tränen. Aber egal.

Das siebte Schiffchen ist voll beladen. Die Planken drohen zu bersten. Eine ganze Schulklasse ist mit dem Schiff auf Klassenfahrt in die Karibik. Eigentlich ist das Schiffchen zu winzig, um überhaupt noch Schiffchen genannt werden zu dürfen. Es ist schlichtweg misslungen, weil die Hände zitterten. Aber egal.

Alle sieben Schiffchen steuern hintereinander auf das große, offene Meer zu. Eigentlich ist das Meer nur eine Mineralwasserlache von einem umgekippten Glas. Aber egal.

Meeresrauschen, Sonnenschein, endlose Weiten, geträumte Strände, lachende Menschen, Cocktails und Musik. Eigentlich ist es nur eine Erkältung und ein umgekipptes Glas Wasser. Aber egal. Es kommt immer darauf an… immer.

3 x 33 Wahrheiten (1)

  1. FrauvonWelt hat keinen Fernseher.
  2. FrauvonWelt war am 25. Mai 1983 beim Champions League Finale Juventus Turin gegen HSV in Athen. Natürlich weiß FrauvonWelt, wer wann das Tor geschossen hat.
  3. FrauvonWelt kann kaltes Wasser nicht leiden. Nicht mal zum Zähneputzen.
  4. FrauvonWelt kam im Alter von 5 Jahren in den Turnverein, mit 16 hörte sie auf mit den Verrenkungen. Aber Vereinsmitglied ist sie immer noch. Sie hat sogar die silberne Vereinsnadel für 25-jährige Mitgliedschaft.
  5. FrauvonWelt war mal im Tennisverein, aber nicht lange.
  6. FrauvonWelt hat mal geraucht. Lange.
  7. FrauvonWelt liebt Spiegeleier, wenn sie von beiden Seiten gebraten sind.
  8. FrauvonWelt liebt heute wie damals Southern Comfort.
  9. FrauvonWelt braucht zum Frühstück schwarzen Kaffee und Croissants.
  10. FrauvonWelts erster Freund war Maurer. Irgendwann war die Mauer zwischen Ihnen zu hoch.
  11. FrauvonWelts erster Kinofilm hieß „Frankenstein“. Sie hat die ganze Zeit unterm Sitz gesessen.
  12. FrauvonWelt kann Telefonieren nicht leiden. Tut es aber unentwegt.
  13. FrauvonWelt hat ihre erste Pizza in der Türkei gegessen. Pizza Hut in Bursa. Die Verzweiflung war groß.
  14. FrauvonWelt stand mit zwölf Jahren auf dem Eiffelturm und hat ihr Leben geplant.
  15. FrauvonWelt hatte schon mal Kopfläuse.
  16. FrauvonWelt hat sich schon immer die Beine rasiert.
  17. FrauvonWelt hätte gerne zwei Kinder und einen Mann mit dunklen Locken.
  18. FrauvonWelt hat früher viel gemalt. Sogar manch einen Wettbewerb gewonnen.
  19. Das schönste Kompliment bekam FrauvonWelt von einer Frau.
  20. FrauvonWelt hat schon mal eine Frau geküsst.
  21. FrauvonWelt mag stürmisches Wetter, Steilküsten und Naturgewalten.
  22. FrauvonWelt kann unerträglich stur sein.
  23. FrauvonWelt durchschaut ihr Gegenüber fast immer.
  24. FrauvonWelt hat ungefähr 195 Parfümflaschen im Bad.
  25. FrauvonWelt hat mal ihren Deutschlehrer geküsst und ihn dann stehen lassen.
  26. FrauvonWelt hatte mal ein ziemlich langes Gespräch mit einem Mann, den man beschuldigte, eine Frau vergewaltigt zu haben. Sie ist heute noch überzeugt davon, dass er es nicht war. Er hat trotzdem gesessen.
  27. FrauvonWelt liebt ihr Fitness-Studio und ihren Trainer sowieso. Hach, dieser Body.
  28. FrauvonWelt kann es nicht leiden, wenn ihr BH nicht zum Slip passt.
  29. FrauvonWelt ist mit 14 das erste Mal Motorrad gefahren und hat sich fürchterlich auf’s Maul gelegt. Natürlich ohne Helm.
  30. FrauvonWelt konnte man als kleines Kind stundenlang irgendwo sitzen lassen, sie kam nie auf die Idee wegzukrabbeln. Sie hat nur dagesessen und mit ihren großen Augen die Welt betrachtet. Auch heute noch eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.
  31. FrauvonWelt hatte im Alter von fünf Jahren eine Impf-Polio und war hüftabwärts gelähmt.
  32. FrauvonWelt hat sich damals geschworen, nie wieder ein Krankenhaus zu brauchen. Bis heute hat sie das geschafft.
  33. FrauvonWelt war mal in Las Vegas und hat gemerkt, sie wäre dort hoffnungslos verloren. Spielkind.