FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und sucht Sinn. In der Blumenvase hinter ihr steckt er nicht, auch nicht in den vielen Weinflaschen, die das Regal zieren, nein, er ist gar nicht im Raum. Der Sinn ist aus.
Heute klopfte die Nachbarin, die taubstumme, hielt einen Zettel ins Haus von ihrer taubstummen Freundin, man möge helfen kommen. Helfen tut man ja gerne, aber muss man denn gleich ein ganzes Gartenhaus aufbauen? Die Uhrzeit stand auch schon auf dem Zettel. 16 Uhr. Ich will kein Gartenhaus zusammen bauen. Nicht um 16 Uhr, nicht um 17 Uhr und auch um keine andere Uhrzeit. Es ist mir egal - das Gartenhaus, die taubstumme Gartenhaushabenwollerin auch. Ich will das nicht. Ich habe Nein gesagt, habe gelogen, wäre nicht da. Man könnte ja auch fragen, ob das überhaupt Sinn ergibt, dass Taubstumme ein Gartenhaus haben. Könnte man, ich tue es nicht. Ich kenn die Antwort.
Manchmal find ich mich schrecklich. Vielleicht bin ich es auch. Vielleicht immer dann, wenn ich den Sinn suche. Den Sinn vom Ganzen. So überhaupt. Ich weiß ja, dass es ihn nicht gibt, und meistens gebe ich mich mit diesem Wissen zufrieden, aber es gibt eben Tage, so wie diesen, da will ich es wirklich wissen, da fange ich an zu zweifeln. Wohl an mir.
Und wenn die zauberhafte Berlinerin schreibt, sie stellt jetzt an der Spielzeugeisenbahn die emotionalen Szenen vom Bahnwärter Thiel nach, dann schüttelt es mich und ich sehe sie vor mir, die Bahnschienen, das Blut und die Tränen. Irgendwo blitzt da der Sinn, nur kurz, manchmal hat er die Form einer Mütze in der Hand des Vaters.
Überhaupt Väter. Das sind so Sinnstifter, können es sein, sollten es sein. Sie sollten nicht mit der Mütze in der Hand da sitzen. Themawechsel. Das tut nicht gut. Der abgeblätterte Nagellack auf meinen Fingern stellt heute auch nur Fragen. Wäre es nach ihnen gegangen, würde ich das Gartenhaus aufbauen. So eine blöde Idee. Nur Schnösel haben Gartenhäuser. Da sitzen sie dann drin, wenn es regnet und betrachten ihr Gartenwerkzeug. Dazu fällt mir sofort eine Horrorgeschichte ein. Die fallen mir zur Zeit häufig ins Hirn. Holterdipolter, leise sind die nie. Personal rennt gerade auch ausreichend in meiner Umgebung rum.
Manchmal find ich mich schrecklich. Lustig. Ich kann Hipp-Gläser mit Plakafarben anmalen, rosa mit weißen Blümchen, das find ich lustig. Ich kann auch über meinen Bruder lachen, der einen Telefonstecker in die falsche Buchse steckt und ihn nicht wieder raus kriegt. Ich lach mich dann weg. Über die Azubine, die den Umzugskarton nicht zusammen bauen kann, kann ich nicht lachen. Es steht doch drauf BODEN. Wieso macht man dann daraus einen Deckel? Auch so ein Reizthema: Azubis.
Dann lieber Michael Augustin lesen: “Es ist gut wissen, dass eine einzige Vergangenheit Hunderte, ja, Zigtausende von Zukünften verhindern kann.” Ja, Herr Bahnwärter, hätten sie mal, dann müssten sie jetzt nicht.
Überhaupt Gedichte. Ich hab heute eines gesucht. Habe diese eine Zeile gelesen. Diese eine Zeile, die so viel sagt. Ich habe das Gedicht gesucht, bin die ganze Bibliothek rauf und runter, ich hab es nicht gefunden. Dann fiel mir ein, dass ich es ihm geschenkt habe. Damals. Dieser Einfall war das schönste Fundstück des Tages.
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Wie kommt mann eigentlich in die Verlegenheit, einen Schlüssel in die Seifenablage unter der Dusche ablegen zu müssen?

Susi hämmerte wie blöd an die Türe: „Mach auf. Lass mich rein.“
FrauvonWelt, die gerade aus dem Bad kam, stürzte zur Tür und wurde von ihrer panischen Freundin fast überrannt. „Wer hat dich denn gebissen?“
„Gebissen? Mich hat keiner gebissen. Aber ich könnte jemanden beißen.“ Susi ließ sich ins rosa Plüsch fallen und fing an zu heulen. FrauvonWelt griff zur Pfanne. „Spiegelei?“, fragte sie nur.
„Drei.“ gab Susi schluchzend zurück.
„Ohje, so schlimm?“
„Ich hab Schluss gemacht. Ich hab ihm gesagt, er solle aus meinem Leben verschwinden.“ Susi wurde wieder wütend und fing an in der Küche hin und her zu laufen und lautstark zu schimpfen.
„Herzlichen Glückwunsch, meine Liebe, klingt nach einem Glückstag. Nun setzt dich wieder hin. Hier, iss die Eier und dann erzähl.“
FrauvonWelt waren derartige Attacken und Anfälle ihrer Katastrophenfreundin Susi längst zur Gewohnheit geworden. Seit dem sie sich vor ewigen Jahren beim Frisör zum ersten Mal über den Weg gelaufen waren, gab es keine Woche, in der bei Susi nicht mindestens einmal die Welt und damit ihr Leben unterging.
Ja, sie hatte ein Problem. Ein ernstes. Es war zweiundvierzig Jahre alt und hieß Oliver. Oliver war Rechtsanwalt und auch sonst hatte er in seinem Leben noch keinen geraden Satz hervor gebracht. Susi und Oliver führten seit zwei Jahren so etwas wie eine offene Streitbeziehung. Der Anfang war im wahrsten Sinne des Wortes rosig, es gab keinen Abend, an dem Oliver seine Angebetete nicht mit roten Rosen bedeckte und ihr auf Knien für ihr Dasein dankte. Nach drei Monaten blieben die Rosen aus und die Streitereien fingen an. Oliver war krankhaft eifersüchtig. Auf so ziemlich alles. Vor allen Dingen auf FrauvonWelt. Das ging so weit, dass er durchdrehte, wenn Susi mit FrauvonWelt telefonierte und ihr Sachen erzählte, die er nicht wusste oder erst als Zweiter zu hören bekam. Wenn es nach ihm ging, und das ging es seiner Meinung nach immer, sollte Susi überhaupt nur noch mit ihm reden. FrauvonWelt machte irgendwann den Vorschlag, Susi solle ihn doch mal einen ganzen Tag lang mit Frauenthemen zuquatschen, mal sehen, ob er dann immer noch Erster sein wolle.
Susi und FrauvonWelt sammelten also eine komplette Bibliothek an Fachwissen über Slipeinlagen, Menstruationsbeschwerden, Absatzhöhen in Hollywood, Strickbikinis, Schwangerschaften bei den Royals, Eigentumswohnungen in Paris, Promi-Hochzeiten und Diätpläne. Kurzum, Susi quasselte los. Den ganzen Unrat an Buchstaben kippte sie in seine Ohren, mehr noch, sie stocherte noch nach, quetschte alles hinein, was ein Mann nie und nimmer über Frauen und ihre hochheiligen Angelegenheiten wissen möchte. Doch Oliver war glücklich. Ganz Anwalt ging er auf alles, was Susi ihm vorlog, wohlwollend ein, nahm seine Susi in die Arme und hätte ihr wohl auch versprochen, mit ihr am nächsten Tag Slipeinlagen einzukaufen, wenn Susi ihm nicht stolz den Inhalt einer Drogeriemarkttüte gezeigt hätte, natürlich nicht ohne zu versäumen, ihm die Details von Cellulitis und Blondierer zu offenbaren. Es half nichts, Oliver wollte Erster sein und Einziger. Er konnte nicht verstehen, warum Susi noch eine beste Freundin braucht, zudem noch eine, die ihn nicht ausstehen konnte, alles besser wusste und mit Susi dorthin ging, wo andere Männer waren.
Susi hingegen stand fest zu ihrer Freundin, allerdings auch zu Oliver, was FrauvonWelt wiederum gar nicht verstehen konnte. „Schick ihn endlich in die Wüste, diesen Obertrottel.“ Was Susi aber nicht tat. Warum sie es nicht tat, wird für FrauvonWelt wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Okay, er sah gut aus, verdiente aus unerklärlichen Gründen mit dem Beruf, den er gar nicht konnte, auch noch viel Geld und er war mit einigen Ausnahmen auch durchaus charmant. Irgendwann sagte Susi einmal, er wäre ein super Ersatzpapa für Bastian. Der zweijährige Rotzlöffel war zugegeben nicht gerade ein einfaches Kind. Aber einfache Kinder gibt es heute sowieso nicht mehr. Kurzum, für FrauvonWelt gab es keinen Grund für so einen Mann. Keinen.
….
Oder wird sie jetzt einen erfahren? Wird Susi ihre Entscheidung rückgängig machen? Werden Susis Tränen trocknen. Und: Hat FrauvonWelt jetzt noch Eier im Haus?
….
… ich klau mir mal nebenan beim Mr. Winkelsen den Clooney und stell den hier hin. Auch wenn fünf gefordert sind, ich finde, einer reicht. Ein Mann ist genug. Wer braucht schon fünf most attractive men? Wenn die doch alle most attractive sind, isses doch eh egal. Schließlich kommt es nur auf die äußeren Werte an.

Okay, Lady DiVa, hab schon verstanden, Sie wollen auch, ich such ja schon weiter. Bei der Suche nach weiteren Exemplaren… bleiben erwartungsgemäß mal wieder keine Fragen offen. Liebe Lady DiVa, ich hab es damals schon gesagt, auf meiner Tour durch die schottischen Highlands. Aber der Prophet gilt, Sie wissen es, nicht viel in Schottland. There can be only one.
FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und schaut sich das neue Video von Britney an. Man kommt ja irgendwie dieser Tage nicht daran vorbei. FrauvonWelt ist nie ein Fan von Britney gewesen. (FrauvonWelt ist noch nie Fan von irgendwem gewesen.) Miss Spears hat sie überhaupt erst wirklich wahrgenommen als die Skandale anfingen. Da war Britney ja nun auch wirklich nicht zu überlesen. Und alles was zu dieser Lady zu sagen war, ist auch bereits gesagt worden.
Aber eins muss FrauvonWelt doch loswerden: Wie diese Britney diesen Typ da vom Bett kickt, das kommt von Herzen. Respekt, Miss Spears. Das war ihre erste Tat, bei der ich sagen würde: Do it again!









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