Archive for the 'Freundinnenwelt' Category

Die Rückkehr der FrauvonWestfalen

17 Jahre lang ist FrauvonWelt über Wiesbadener Parkett geschlittert, 17 Jahre lang hat sie die Coiffeurs der Stadt genervt und die Butiken reich gemacht. Dann rief die Heimat. Im westfälischen Hinterland trägt man Gummistiefel und trinkt Bier. Champagner kennt man hier höchstens aus dem Fernsehen. Aber FrauvonWelt hat es so gewollt und will es immer noch so. Nur manchmal, ganz selten, wenn sie durch den Keller ihres Hauses wandert, an der Wand vorbei, wo die Schuhkartons sich bis zur Decke stapeln, wenn sie leicht die Deckel anhebt, einen Blick auf die strassbesetzen Schühchen wirft, ja, dann wird die Sehnsucht laut.
Schön, wenn genau in diesem Moment das Telefon klingelt und Tini anruft.
Ich geb ‘ne kleine Party. Kommst du?
Party in Wiesbaden. Ja, klar komme ich.
Und schwuppdiwupp wirbeln die Deckel der Schuhkartons durcheinander. Ah und Oh. Ach, die gibt es ja auch noch. Und die auch. Und diese hier. Ach, herrje. Hab ich die überhaupt schon mal angehabt? Wo waren doch noch gleich diese kleinen schwarzen? Oh, die lilafarbenen sind der Hammer. Oder doch besser die braunen Stiefeletten? Ich muss Tini anrufen.
Tini?
Ja.
Welche Schuhe soll ich anziehen?
Herrje, wir sind doch nur unter uns. Zieh Turnschuhe an, wie immer.
Turnschuhe?
Ja.
Okay, Turnschuhe.

Turnschuhe also. Aber welche? Die weißen, die weiß-roten, die goldenen, die silbernen, oder die beigen? Ich muss Tini anrufen?
Tini?
Ja.
Welche Turnschuhe soll ich anziehen?
Mir doch egal. Irgendwelche.
Tini?
Ja.
Mir geht es schlecht. Ich bin total aus der Übung.
Du spinnst.
Ja. Wahrscheinlich hast du recht.

FrauvonWelt sitzt versunken in einem Berg Schuhkartons auf der Kellertreppe. Das kann doch alles nicht wahr sein. Stück für Stück, Schuh für Schuh, räumt sie alles wieder ein und stapelt die Kartons wieder auf. Das Zeug muss aus dem Haus. Wiesbaden war gestern. Heute ist Schlangen.
Am Wochenende schnürt sie sich die ihre Meindls an die Füße und fährt gen Wiesbaden. Ob Tini Bier im Haus hat?

Rosa Löffel

FrauvonWelt hat Freunde besucht. FrauvonWelt hat ihnen Eierlöffel geschenkt, rosafarbene Eierlöffel. FrauvonWelt weiß, dass er keine rosafarbenen Eierlöffel mag. FrauvonWelt hat sie ja eigentlich auch ihr gschenkt. Sie findet die Löffel schön. Sind sie auch. Heute morgen gab es Eier im Glas an rosa Löffel. FrauvonWelt sah die Freude in seinem Gesicht. Etwas Pfeffer, etwas Salz. Die Eier schmeckten spitze. Sieben Minuten. Sieben-Minuten-Eier und rosa Löffel sind überhaupt der Hit am Sonntagmorgen. Dazu frische Brötchen und Laugenstangen. FrauvonWelt weiß, wie man sich Freunde erhält. Er hat sogar Schnee geschaufelt vorm Haus.

Schick ihn in die Wüste

Susi hämmerte wie blöd an die Türe: „Mach auf. Lass mich rein.“
FrauvonWelt, die gerade aus dem Bad kam, stürzte zur Tür und wurde von ihrer panischen Freundin fast überrannt. „Wer hat dich denn gebissen?“
„Gebissen? Mich hat keiner gebissen. Aber ich könnte jemanden beißen.“ Susi ließ sich ins rosa Plüsch fallen und fing an zu heulen. FrauvonWelt griff zur Pfanne. „Spiegelei?“, fragte sie nur.
„Drei.“ gab Susi schluchzend zurück.
„Ohje, so schlimm?“
„Ich hab Schluss gemacht. Ich hab ihm gesagt, er solle aus meinem Leben verschwinden.“ Susi wurde wieder wütend und fing an in der Küche hin und her zu laufen und lautstark zu schimpfen.
„Herzlichen Glückwunsch, meine Liebe, klingt nach einem Glückstag. Nun setzt dich wieder hin. Hier, iss die Eier und dann erzähl.“

FrauvonWelt waren derartige Attacken und Anfälle ihrer Katastrophenfreundin Susi längst zur Gewohnheit geworden. Seit dem sie sich vor ewigen Jahren beim Frisör zum ersten Mal über den Weg gelaufen waren, gab es keine Woche, in der bei Susi nicht mindestens einmal die Welt und damit ihr Leben unterging.

Ja, sie hatte ein Problem. Ein ernstes. Es war zweiundvierzig Jahre alt und hieß Oliver. Oliver war Rechtsanwalt und auch sonst hatte er in seinem Leben noch keinen geraden Satz hervor gebracht. Susi und Oliver führten seit zwei Jahren so etwas wie eine offene Streitbeziehung. Der Anfang war im wahrsten Sinne des Wortes rosig, es gab keinen Abend, an dem Oliver seine Angebetete nicht mit roten Rosen bedeckte und ihr auf Knien für ihr Dasein dankte. Nach drei Monaten blieben die Rosen aus und die Streitereien fingen an. Oliver war krankhaft eifersüchtig. Auf so ziemlich alles. Vor allen Dingen auf FrauvonWelt. Das ging so weit, dass er durchdrehte, wenn Susi mit FrauvonWelt telefonierte und ihr Sachen erzählte, die er nicht wusste oder erst als Zweiter zu hören bekam. Wenn es nach ihm ging, und das ging es seiner Meinung nach immer, sollte Susi überhaupt nur noch mit ihm reden. FrauvonWelt machte irgendwann den Vorschlag, Susi solle ihn doch mal einen ganzen Tag lang mit Frauenthemen zuquatschen, mal sehen, ob er dann immer noch Erster sein wolle.

Susi und FrauvonWelt sammelten also eine komplette Bibliothek an Fachwissen über Slipeinlagen, Menstruationsbeschwerden, Absatzhöhen in Hollywood, Strickbikinis, Schwangerschaften bei den Royals, Eigentumswohnungen in Paris, Promi-Hochzeiten und Diätpläne. Kurzum, Susi quasselte los. Den ganzen Unrat an Buchstaben kippte sie in seine Ohren, mehr noch, sie stocherte noch nach, quetschte alles hinein, was ein Mann nie und nimmer über Frauen und ihre hochheiligen Angelegenheiten wissen möchte. Doch Oliver war glücklich. Ganz Anwalt ging er auf alles, was Susi ihm vorlog, wohlwollend ein, nahm seine Susi in die Arme und hätte ihr wohl auch versprochen, mit ihr am nächsten Tag Slipeinlagen einzukaufen, wenn Susi ihm nicht stolz den Inhalt einer Drogeriemarkttüte gezeigt hätte, natürlich nicht ohne zu versäumen, ihm die Details von Cellulitis und Blondierer zu offenbaren. Es half nichts, Oliver wollte Erster sein und Einziger. Er konnte nicht verstehen, warum Susi noch eine beste Freundin braucht, zudem noch eine, die ihn nicht ausstehen konnte, alles besser wusste und mit Susi dorthin ging, wo andere Männer waren.

Susi hingegen stand fest zu ihrer Freundin, allerdings auch zu Oliver, was FrauvonWelt wiederum gar nicht verstehen konnte. „Schick ihn endlich in die Wüste, diesen Obertrottel.“ Was Susi aber nicht tat. Warum sie es nicht tat, wird für FrauvonWelt wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Okay, er sah gut aus, verdiente aus unerklärlichen Gründen mit dem Beruf, den er gar nicht konnte, auch noch viel Geld und er war mit einigen Ausnahmen auch durchaus charmant. Irgendwann sagte Susi einmal, er wäre ein super Ersatzpapa für Bastian. Der zweijährige Rotzlöffel war zugegeben nicht gerade ein einfaches Kind. Aber einfache Kinder gibt es heute sowieso nicht mehr. Kurzum, für FrauvonWelt gab es keinen Grund für so einen Mann. Keinen.

….

Oder wird sie jetzt einen erfahren? Wird Susi ihre Entscheidung rückgängig machen? Werden Susis Tränen trocknen. Und: Hat FrauvonWelt jetzt noch Eier im Haus?

….

Worte zentnerschwer

FrauvonWelt wollte eigentlich schon schlafen gehen. Noch mal kurz einen Blick in den Briefkasten werfen. Da sind sie plötzlich, diese Worte, die mit jedem Mal lesen an Gewicht zulegen und tiefer und tiefer in die Magengrube sinken. Da liegen sie und rühren sich nicht. Zentnerschwer. “Ich finds doof, dass Du weg bist.” Mehr nicht. Nach Wochen die ersten Worte. Von Susi.

Dingdong, dingdong, dingdong…

Babsi rennt völlig aufgelöst durch FrauvonWelts Wohnung, lässt sich aufs Sofa fallen und stöhnt laut: “Du glaubst nicht, was mir schon wieder passiert ist. Oh Gott, war das peinlich…“
FrauvonWelt, die sichtlich erheitert im Türrahmen stehen geblieben ist, fragt nur: „Willst du nen Kaffee?“
„Nein“, trötet Babsi ihr entgegen, „ich will keinen Kaffee, ich will Englisch sprechen können.“
„Ja, dann lern es doch“, riet FrauvonWelt.
„Will ich ja“, plusterte sich Babsi auf, „aber dann kann man mir doch nicht so nen Adonis als Dozenten vorsetzen.“
„Adonis?“
„Ja, Adonis aus Kanada.“ Babsi legte sich laut stöhnend aufs Sofa und sagte plötzlich nichts mehr. Dann sprang sie wieder auf und fing an zu erzählen:
„Ich war beim Arbeitsamt. Die wollen mir nen Englischkurs bezahlen. Schlüsselqualifikation, die mir fehlt. Ich also zur Sprachschule den Einstufungstest gemacht. Im Anschluss daran ein kurzes Gespräch mit dem Dozenten. Auf Englisch natürlich. Ich habe so ein dummes Zeug gestammelt, das glaubst du mir nicht. Der hat mich gefragt, was ich für Hobbys habe. Die einzigen Vokabeln, die mir einfielen, waren climbing, swimming und camping. Dann fragt der mich, ob ich gerne zelte und ich blöde Kuh sage nur YES. Dabei hasse ich zelten, ich hab das noch nie leiden können, und er will die ganze Zeit mit mir übers Zelten quatschen. Ich habe mich so geschämt. Da muss ich 32 Jahre alt werden und mich wegen dieser scheißenglischen Sprache so lächerlich machen. Das war schon immer so. Ich hasse diese Sprache. Und wenn du diesen Typen gesehen hättest. Boah, diese blauen Augen. Ich will gar nicht wissen, was der über mich gedacht hat. Zum Schluss fragte er mich noch, ob ich sonst mehr zu erzählen hätte. Ich hab den, glaube ich, nur dämlich angeguckt. Ich gehe da nie wieder hin.“
FrauvonWelt, die Babsis Englischkünste kennt, kann sich lebhaft vorstellen, wie das zugegangen ist.
„Meinst du das Arbeitsamt bezahlt mir auch so nen Kurs?“, fragt sie Babsi.
„Wieso? Du kannst doch English.“
„Ja, eben drum.“

3 x 33 Wahrheiten (1)

  1. FrauvonWelt hat keinen Fernseher.
  2. FrauvonWelt war am 25. Mai 1983 beim Champions League Finale Juventus Turin gegen HSV in Athen. Natürlich weiß FrauvonWelt, wer wann das Tor geschossen hat.
  3. FrauvonWelt kann kaltes Wasser nicht leiden. Nicht mal zum Zähneputzen.
  4. FrauvonWelt kam im Alter von 5 Jahren in den Turnverein, mit 16 hörte sie auf mit den Verrenkungen. Aber Vereinsmitglied ist sie immer noch. Sie hat sogar die silberne Vereinsnadel für 25-jährige Mitgliedschaft.
  5. FrauvonWelt war mal im Tennisverein, aber nicht lange.
  6. FrauvonWelt hat mal geraucht. Lange.
  7. FrauvonWelt liebt Spiegeleier, wenn sie von beiden Seiten gebraten sind.
  8. FrauvonWelt liebt heute wie damals Southern Comfort.
  9. FrauvonWelt braucht zum Frühstück schwarzen Kaffee und Croissants.
  10. FrauvonWelts erster Freund war Maurer. Irgendwann war die Mauer zwischen Ihnen zu hoch.
  11. FrauvonWelts erster Kinofilm hieß „Frankenstein“. Sie hat die ganze Zeit unterm Sitz gesessen.
  12. FrauvonWelt kann Telefonieren nicht leiden. Tut es aber unentwegt.
  13. FrauvonWelt hat ihre erste Pizza in der Türkei gegessen. Pizza Hut in Bursa. Die Verzweiflung war groß.
  14. FrauvonWelt stand mit zwölf Jahren auf dem Eiffelturm und hat ihr Leben geplant.
  15. FrauvonWelt hatte schon mal Kopfläuse.
  16. FrauvonWelt hat sich schon immer die Beine rasiert.
  17. FrauvonWelt hätte gerne zwei Kinder und einen Mann mit dunklen Locken.
  18. FrauvonWelt hat früher viel gemalt. Sogar manch einen Wettbewerb gewonnen.
  19. Das schönste Kompliment bekam FrauvonWelt von einer Frau.
  20. FrauvonWelt hat schon mal eine Frau geküsst.
  21. FrauvonWelt mag stürmisches Wetter, Steilküsten und Naturgewalten.
  22. FrauvonWelt kann unerträglich stur sein.
  23. FrauvonWelt durchschaut ihr Gegenüber fast immer.
  24. FrauvonWelt hat ungefähr 195 Parfümflaschen im Bad.
  25. FrauvonWelt hat mal ihren Deutschlehrer geküsst und ihn dann stehen lassen.
  26. FrauvonWelt hatte mal ein ziemlich langes Gespräch mit einem Mann, den man beschuldigte, eine Frau vergewaltigt zu haben. Sie ist heute noch überzeugt davon, dass er es nicht war. Er hat trotzdem gesessen.
  27. FrauvonWelt liebt ihr Fitness-Studio und ihren Trainer sowieso. Hach, dieser Body.
  28. FrauvonWelt kann es nicht leiden, wenn ihr BH nicht zum Slip passt.
  29. FrauvonWelt ist mit 14 das erste Mal Motorrad gefahren und hat sich fürchterlich auf’s Maul gelegt. Natürlich ohne Helm.
  30. FrauvonWelt konnte man als kleines Kind stundenlang irgendwo sitzen lassen, sie kam nie auf die Idee wegzukrabbeln. Sie hat nur dagesessen und mit ihren großen Augen die Welt betrachtet. Auch heute noch eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.
  31. FrauvonWelt hatte im Alter von fünf Jahren eine Impf-Polio und war hüftabwärts gelähmt.
  32. FrauvonWelt hat sich damals geschworen, nie wieder ein Krankenhaus zu brauchen. Bis heute hat sie das geschafft.
  33. FrauvonWelt war mal in Las Vegas und hat gemerkt, sie wäre dort hoffnungslos verloren. Spielkind.

Susi

28 Jahre alt, ledig, schwanger, blond.
Abinote 1,3. Der Vater Anwalt, die Mutter zu Hause. Wohnhaft in Frankfurt. Zwei jüngere Brüder, die endlos nerven.
„Du studierst Jura!“, hat der Vater irgendwann kategorisch festgelegt. Und Susi studierte Jura. Kurz. Dann packte sie die Koffer und ging. Weg von ihrem Vater, ihrer Mutter, ihren nervenden Brüdern. Eine WG in Wiesbaden fing sie auf. Chaos total. Keine Möbel, kein Geld, kein Job, nur diese endlos langen blonden Haare und den vielleicht knackigsten Hintern des Universums. Sie aber wollte es schaffen: Sie schnitt sich die Haare ab. Anschießend sah sie aus, wie alle Frauen aussehen, die sich innerhalb weniger Schockminuten emanzipieren.
Susi hatte ein Einsehen und ging zum nächstbesten Frisör. Der nächstbeste war aber auch zugleich der beste der Stadt. Clemens, der Frisör in hautengen Stretchhosen, wies sie auf ihren Platz und kümmerte sich rührend um das Häufen Elend, das nun vor ihm saß. „Das kriegen wir schon wieder hin.“, säuselte er ihrem Spiegelbild entgegen.
Eine Stunde später war sich Susi sicher, dass sie die Frau im Spiegel nie zuvor in ihrem Leben gesehen hatte. „Wow, bin ich das?“
„Oui, madame, ganz neuer Look, bisschen asymmetrisch, aber sehr feminin. Gefällt es Ihnen?“ Clemens war ein Künstler.
„Gefallen? Das ist fantastisch.“ Susi wäre ihm vor Begeisterung fast um den Hals gefallen.

„CLEMENS? Kommst Du bitte mal?“ dröhnte es sichtlich genervt aus der hinteren Ecke des Salons.
„Ah, Madame du Monde, bin sofort bei dir, Schätzchen, muss eben noch kassieren.“ Clemens wandte sich Susi zu, wurde aber sofort wieder lautstark in die hintere Ecke gezogen.
„NEIN, Du kommst jetzt sofort, sonst brüll ich den Laden hier zu Schrott.“ FrauvonWelt war offensichtlich nicht in bester Laune.
„Sie entschuldigen mich kurz?“ warf Clemens in Susis Richtung und machte sich auf den Weg.
„Aber meine Liebe, was ist denn passiert?“, versuchte er zu beruhigen.
„Nichts ist passiert. Die Welt geht unter. Das heißt, ich! Guck dir das mal an.“ Während FrauvonWelt das sagte, zog sie mit beiden Händen ihre Haare an die Salondecke. Im satten Schwarz leuchteten verboten einige orangefarbene Strähnen.
„Das sieht fürchterlich aus. Du hast recht. Wer hat diese Strähnchen verbrochen?“ Clemens hatte sofort ein Einsehen. Jetzt noch einmal färben ging nicht. Dann hatte er die rettende Idee. Er winkte Susi zu sich heran.
Susi stolzierte erhobenen Hauptes durch den Salon in Richtung keifender Schnepfe. Die beiden Mädels schauten sich giftig an.
Clemens erkannte die Zickenkriegsgefahr sofort, zog Susi auf den Stuhl neben FrauvonWelt und sagte zu eben der: „Schau dir das an. Das machen wir mit dir auch!“
FrauvonWelts braune Rehaugen verwandelten sich in schwarze Stieraugen. „Was machen wir? Ich will nicht blond werden.“
Clemens holte tief Luft: „Okay Süße, pass auf, du wirst nicht blond, deine Farbe ist schwarz, aber schau dir den Schnitt an, der würde dir auch stehen, und dann hätten wir das Problem mit den Strähnen wenigstens halbwegs im Griff. Nächste Woche können wir dann die Farbe ändern.“
FrauvonWelt schaute Susi an. Susi schaute FrauvonWelt an. Es dauerte eine Weile, dann lächelte zumindest Susi.
„Dreh dich mal.“, forderte FrauvonWelt Susi auf.
Susi ließ den Stuhl einmal rotieren und legte anschließend das gleiche zuckersüße Lächeln auf wie zuvor.
FrauvonWelt musterte Susi von oben bis unten, betrachtete lange ihre Schuhe, überlegte und sagte dann: „Okay, wir machen das. Aber ich zahl keinen Pfennig.“
Clemens sank vor Erleichterung gen Boden. Die Freude, seine beste und auch wichtigste Kundin gerettet zu haben, ließ ihm die Knie weich werden.
„Dann zahl ich aber auch nichts!“, hatte Susi die Situation blitzschnell begriffen.
Clemens auch: „Mädels, ihr macht mich wahnsinnig.“
„Wieso?“ stießen Susi und FrauvonWelt unisono hervor.

Dieses WIESO war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Eine halbe Stunde später verließen die beiden Grazien mit den gleichen Frisuren, die eine blond, die andere schwarz mit noch orangefarbenen Strähnen, den Wiesbadener Starcoiffeur ohne einen Pfennig bezahlen zu müssen. Clemens hingegen hatte an diesem Abend eine Mitarbeiterin weniger und einige graue Haare mehr.