Monthly Archive for Februar, 2007

Von Vögeln, Vorträgen und Versehen

Nachdem FrauvonWelt eine Stunde bei McFit geschwitzt hat, ruft Tini an und sagt nur: Nun erzähl schon!
Tini, was dagegen wenn ich gerade noch fertig dusche?
Ja, ich hab was dagegen. Ich will jetzt sofort…
Okay, okay, ich bin in zwanzig Minuten bei dir, solange musst du dich noch gedulden.

FrauvonWelt beendete ihre Körperhygiene mit gewohntem Tempo und mit gewohnter Ausführlichkeit, schwang sich anschließend aufs Rad und war tatsächlich die zwanzig versprochenen Minuten später bei Tini.
Setz dich und erzähl, wurde sie von ihrer Freundin empfangen.
Und sie erzählte:
Nachdem wir das Museum gefunden hatten grinste uns im Entree erstmal ein Elchskelett an. Babsi war etwas aufgedreht und fing an rumzualbern mit dem Knochengewirr. Daraufhin kam gleich ein Museumswächter und wies sie darauf hin, dass das Berühren der kostbaren Exponate nicht erlaubt sei. Babsi starrte ihn sehnsuchtsvoll an – doch er war es nicht. Kein Tomatenmann. Sie konnte ja auch nicht danach fragen, sie kannte ja seinen Namen nicht. Wir gingen durch seltsame Katakomben mit Zebras, Urpferdchen und anderem Gehops und gelangten schließlich in die Vogelwelt des ersten Obergeschosses. Amsel, Drossel, Fink und Star. Babsi stimmte sogleich ein fröhliches Liedchen an. Dann fragte sie mich, was sie denn eigentlich sagen solle, wenn sie jetzt gleich auf ihren Tomatenmann treffe. Sing ihm doch ein Lied, schlug ich vor. Der Vorschlag wurde jedoch abgelehnt.
Dann stand er plötzlich vor uns. Ob wir uns schon die Vögel alle genau angeschaut hätten? Babsi starrte ihn die ganze Zeit nur völlig entgeistert an und sagte kein Wort. Um die peinliche Situation zu entschärfen, fragte ich ihn nach einigen seltsam anmutenden Vogelarten. Und er wusste sogar Bescheid. Babsi stand wie festgewurzelt, während ich einem irrsinnigem Vogelvortrag lauschte. Er wusste wirklich alles über diese Viecher. Besonders das Paarungsverhalten beschrieb er behäbig in allen Details. Aber eigentlich interessieren Vögel mich nicht besonders, auch deren Paarungsverhalten nicht. Ich schaute auf Babsi und sah die pure Verzweiflung. Sie stierte zurück. Es war als wolle sie mir sagen, komm lass uns verschwinden. Wie ich das jetzt anstellen sollte, wusste ich auch nicht.
Der Tomatenvogelmann erzählte und erzählte. Inzwischen hatten sich schon ein paar andere Museumsbesucher um ihn gruppiert und schauten wissbegierig. Ich nutzte die Chance, zog Babsi von ihrem Fleck und rannte mir ihr die Treppe hinunter. Babsi, der Kerl ist ja total bescheuert, bist du sicher, dass das der Tomatenmann war? Babsi war sicher, total sicher. Sie war sich allerdings auch sicher, dass sie im Aldi ihre Kontaktlinsen nicht drin hatte und irgendwie total unterzuckert gewesen sein muss. Babsi mach dir keine Sorgen, das kann im Aldi schon mal passieren, dass man daneben greift.

Die Taufe

Als FrauvonWelt vor zwei Jahren ihren Dienst im mintgrünen Parfümladen begann, kannte sie keiner. Dann suchte Douglas das besondere Gesicht für das besondere Make-up. Für die Werbekampagne wurde eine FrauvonWelt gesucht, eine Frau eben, die mit Esprit und Augenaufschlag versteht, das gewisse Etwas zu vermitteln.
Zwischen buntschimmernden Parfümflakons schaute FrauvonWelt dem durch die Drogerie flanierenden Art-Director genau zwischen die Augen, der verstand sofort und FrauvonWelt wurde zur FrauvonWelt. Blitzkarriere quasi. Das Shooting endete jedes Mal mit einem Dutzend leerer Champagnerflaschen. Highlight der Kampagne war das Foto des Augenmake-ups, das FrauvonWelt heute noch gerne auflegt, wenn sie wieder mal was ganz Besonderes im Blick hat. Und das hat sie eigentlich ständig.

Aufgrund des immensen Alkoholkonsums war sie jedoch froh, dass die Shooterei nach vier Wochen vorbei war und sich der Art-Director auf die Suche nach dem neuen Dessous-Model machte.

Lost in Erdnüssen

Nach dem anstrengenden Museumsbesuch am Sonntag gönnt sich FrauvonWelt heute einen entspannten Abend. Babsi und Tini sind da. Im DVD-Player landet “Lost in Translation”. Vorher will Tini, die an einer Dose Erdnüsse fast zugrunde geht, aber noch genau wissen, was mit dem Tomatenmann los war.
War nichts, sagt Babsi nur trocken.
Wie? War nichts? Und wieso?
Ach, lass uns jetzt den Film gucken, hab jetzt keine Lust alles zu erzählen.

FrauvonWelt springt ein, greift in die Erdnüsse und wispert Tini zu, dass sie ihr nachher alles erzählen will, aber jetzt sollte man doch besser den Film gucken. Tini versteht gar nichts mehr, Babsi ist deprimiert und FrauvonWelt findet den Film eh langweilig. Der Abend scheint also nicht wirklich entspannend zu werden. Die Erdnüsse machen die Runde, der Film dreht sich auch im Kreis.
Nach einer halben Stunde will Babsi nach Hause gehen. Weder Tini noch FrauvonWelt halten sie auf.
Sehen wir uns morgen im Studio, Babsi? FrauvonWelt versucht Babsis Gedanken in die Zukunft zu lenken, damit sie nicht endlos an die Peinlichkeiten im Museum denkt.
Ja, vielleicht, sagt Babsi, winkt gelangweilt und verschwindet dann aus der Wohnung.

Nun erzählt aber mal, was da passiert ist. Tini verschluckt sich schon wieder an einer Erdnuss und kriegt einen Hustenanfall.
Tinihi? Eigentlich bin ich auch müde, können wir nicht morgen…

Ich glaub ihr spinnt, ich will jetzt endlich wissen, was da passiert ist, ihr könnt mir doch hier nicht doof sterben lassen, ich platze fast vor Neugier.
Du platzt vielleicht von den zwei Dosen Erdnüssen, die du gerade verdrückt hast, aber nun gut, dann will ich dir halt noch kurz von gestern erzählen.

Babsis Tomatenmann

Früh um neun bekam FrauvonWelt, noch im Bett liegend, einen Anruf. Die Babsi. Ob sie heute zusammen ins Museum gehen wollten? FrauvonWelt glaubte sich in einem seltsamen Traum. Museum, den Begriff hatte sie schon einmal gehört.
Babsi, bist du das? Wo willst du hin?
Ins Naturdingsbumsmuseum in Mainz. Ich weiß nicht mehr genau, wie das heißt. Kostet auch keinen Eintritt sonntags.
Babsi, wenn du das ernst meinst, dann ruf mich in einer Stunde noch einmal an, dann hab ich ausgeschlafen.

Zwei Stunden später klingelte wieder das Telefon. FrauvonWelt lag noch immer im Bett.
Babsi?
Schläfst du etwa immer noch? Bist du dabei, oder nicht?
Ja, ich komm ja mit. Was zieht man denn da an?
Egal, um dich geht es ja nicht. Bretzel dich bloß nicht so auf, sonst stiehlst du mir noch die Show. Der Typ soll ja Augen für mich haben, nicht für dich.
Okay, hab schon verstanden. Kommst du zum Frühstücken vorbei?
Bin gleich da.
Zehn Minuten später stand Babsi vor der Tür. Pinker Mini, Stiefel bis zum Knie, bauchfreies Wickelshirt, rosa Jeansjacke.

Wow, siehst du cool aus. Komm rein. Und erzähl erstmal. Was ist denn das für ein Typ?

Total süß. Ich hab den gestern im Aldi getroffen, er hat mir geholfen, als mir diese blöden Tomaten runtergefallen sind, Mensch, war das eine Sauerei, naja, aber er wirklich total süß, er hat sich kaputt gelacht und hat das alles weg gemacht, mich dann auch gleich gefragt, ob ich hier aus der Gegend bin und so, und ob man sich nicht mal treffen könnte, klar hab ich gesagt und hab ihm meine Handynummer gegeben, dann hat er noch gesagt, dass er sonntags immer in diesem Museum in Mainz jobbt, aufpassen, dass die ausgestopften Viecher dort nicht alle von den Kindern angegrapscht werden und so, naja und ob ich nicht mal Lust hätte vorbei zu kommen, ich hab natürlich nicht gleich zugesagt, sondern nur, dass ich es mir mal überlegen würde.

Und? Hast du überlegt?

Nee, natürlich nicht. Hey, los komm. Sei kein Spielverderber. Ich will ihn dir ja nur mal zeigen, wenn du sagst, der ist nichts, dann können wir sofort wieder verschwinden.

Okay, okay, noch nen Kaffee und dann können wir los.

Milchfrei

Milchprodukte kann FrauvonWelt nicht leiden. Sie isst so etwas nicht. Kein Käse, kein Joghurt, kein Quark, keine Sahne. All die Müllers, Danones und Sonstwieheißende können ihr Zeug links oder rechts herum drehen, ihr egal. Und warum? Weil der VatervonWelt dagegen allergisch war. Als Baby ist er fast gestorben, weil die OmavonWelt ihm die frischeste und fetteste Kuhmilch gegeben hat, die sie zur damaligen Zeit hat ergattern können. Dass sie damit ihren kleinen Stammhalter beinahe ins Nirwana befördert hat, hat sie natürlich weder gewollt noch gewusst.
Der VatervonWelt überlebte. Und zwar ohne je wieder ein Produkt der milchverarbeitenden Industrie angerührt zu haben. Aber er tat das nicht stillschweigend, sondern lauthals verkündete er jedem, der es nicht wissen wollte, dass ein Leben ohne Milchprodukte viel besser sei, als jedes andere. KindvonWelt glaubte ihm natürlich. KindvonWelt wurde zur FrauvonWelt, und das ganz ohne Milchprodukte. Denn sie ist natürlich auch der Meinung, dass der ganze linksrechtsgerührte Blödsinn genmanipulierter Kuhmaschinen nicht dazu beiträgt, die Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten.

Stapelweise

FrauvonWelt hat die Nase voll. Was sie braucht, um dem zu entgegnen, sind zunächst mal schön ordentlich aufgeschichtete Türme aus Taschentücherpackungen. Zehn schafft sie zu stapeln. Mehr hat sie gerade nicht. Was sie aber wirklich bräuchte, wäre ein bisschen Frühling, nur ein kleines Lüftchen, vielleicht ein bisschen Lottogewinn, nur ein paar Scheinchen, vielleicht ein bisschen Urlaub, nur ein Kurztrip in die Südsee und vielleicht die fast unsichtbaren Manolos, die könnte sie dann auf die anderen stapeln, von denen sie schon so lange träumt.