Monthly Archive for April, 2007

Haiku und die Frau, die nicht zählen kann

Es gibt Beziehungen, die halten ewig. FrauvonWelt hat eine. Mit Haiku. Mit Haiku kann sie einfach alles anstellen, was in ihrem wirren Kopf umher fliegt. Haiku sieht gut aus, macht nicht viele Worte, ist zwar mitunter etwas stimmungsanfällig, hat aber dafür Format. FrauvonWelt steht auf so was. Und Haiku ist immer da, wenn FrauvonWelt es will. Hat sie gerade keine Lust auf Haiku, dann ist das auch okay. Es ist Haiku auch ganz egal, wie FrauvonWelt aussieht, ob sie strubbelzauserig aus der Koje schlufft oder supergestylt ins Havanna tippelt. Haiku ist herrlich unkompliziert. Naturverbunden, ehrlich und offen für alles.
FrauvonWelt geht es gut mit Haiku. Die Geschichte ihrer Zusammenkunft, wurde vor langer Zeit geschrieben:
Wenn sie ganz allein ist, draußen nur der leise Regen sein Liedchen säuselt, ihre tränengefüllten Augen das Fleckchen Hoffnung im Wolkengrau längst nicht mehr suchen, sie mit der rechten Hand ruhig den Löffel durch das Wasserglas führt, in dem die Tavortabletten schon nicht mehr zu erkennen sind, wenn sie dann hinaus geht auf den Balkon, weit entfernt von Kälte, die Nässe nicht spürend, das Glas wird voller, Tropfen, Tropfen fallen hinein, laufen über, laufen über Finger, Hände, das Glas zu voll, alles verrinnt, die Frau, die nicht zählen kann, verrinnt gleichsam, das Glas an den Lippen, das Leben schmeckt süß, so süß, trinken, trinken, es ist zu viel, alles zu viel, zu viel, die Schreie zu laut, das Dröhnen im Kopf, Wasser strömt durch alle Adern, nimmt alles mit, taucht die Welt in das gläserne Blau, schimmert schwarz im Asphalt, der alles verschluckt.

Frühlingsabend –
Der Duft von Rosenblüten
Liegt auf den Lippen.

Das war Haiku. Es geht ihr gut mit Haiku.

Stress im MoschMosch

FrauvonWelt will Verena im MoschMosch treffen. Kurz nach acht, die japanische Nudelbar ist fast voll. FrauvonWelt nimmt Platz, bestellt schon mal was Flüssiges und wartet. In der anderen Ecke des Restaurants passierte zehn Minuten zuvor ähnliches. Verena nahm Platz, bestellte schon mal was Flüssiges und wartete. Irgendwann klingelt ein Handy, das hört FrauvonWelt natürlich nicht.
Um halb neun steht Verena plötzlich vor ihrem Tisch, grinst.
Wo kommst du denn jetzt her?
Ich sitz schon die ganze Zeit da hinten und les Zeitung.
Verena setzt sich, der Kellner naht, grinst auch. Na, habt ihr euch endlich gefunden?

Die beiden haben sich Monate nicht gesehen. Verena ist im Diplomstress, erzählt aber eigentlich nur vom Stress mit ihrem Lover. Fünf mal habe ich ihn aufgefordert den Boden in der Küche zu wischen, aber er geht lieber Golfspielen. Ich habe im Moment wirklich keine Zeit für so was, da kann er das doch wohl mal machen. Irgendwann hab ich ihn nur noch angebrüllt. Ich hasse das, wenn wir uns so streiten, wegen so ‘nem Scheiß. Und überhaupt passiert das immer bevor ich meine Tage kriege. Da bin ich immer so schrecklich empfindlich. Geht dir das auch so?

Und dann waren wir letzte Woche endlich mal wieder zusammen Joggen. Endlich mal wieder. Und er hat nichts besseres zu tun, als die ganze Zeit zu meckern, ich sei zu langsam. Als uns ein älteres Pärchen überholte, sagte er: Guck mal, wir werden schon von Rentnern überholt. Ja, mir doch egal. Ich kann halt nicht schneller. Und dann ging es los. Ich sei viel zu undiszipliniert, müsse viel mehr und konsequenter laufen. Und das ging gerade mal gar nicht. Mir jetzt, wo ich jeden Tag zehn bis zwölf Stunden am Rechner hänge und nebenbei noch arbeiten gehe, mangelnde Disziplin vorwerfen – da bin ich geplatzt. Da hat der mich angeguckt und angeguckt und dann ist der Depp doch tatsächlich über ne Baumwurzel gestolpert. Da lag er und hat nichts mehr gesagt. Ich hab wirklich nicht gelacht und gleich gefragt, ob alles okay wäre, aber da war natürlich nichts mehr okay. Er hat sich umgedreht und ist nach Hause gerannt. Er hat aber nicht daran gedacht, dass ich den Schlüssel einstecken habe. Ich hab noch meine Runde gedreht, schön langsam und bin dann nach Hause. Da saß er dann auf der Treppe. Und da musste ich lachen. Ich sag dirs, mit uns ist gerade nicht wirklich viel los.

Und wenn seine Tochter da ist, dann ziehen die quer durch die ganze Wohnung und lassen alles stehen und liegen. Da werd ich blöd drüber. Da krieg ich sofort Pickel.

Die Flucht der Oberschenkel

Die Gesichter der Damen, die dieser Tage in den Laden zu FrauvonWelt kommen, sind ungefähr so fröhlich wie die dauerinhaftierter Sträflinge im Hochsicherheitstrakt der JVA Roter Ochse in Halle an der Saale. Da stehen sie dann schuldbewusst mit langen Gesichtern und suchen heimlich die Regale nach Zaubermitteln ab, die Speckrollen und Orangenhaut wegbimseln. Siegesbewusst greift FrauvonWelt an, verkauft Spezialpflege und Problemzonencreme und Anticellulitefluid und Cellpower-Treatment. Vollgepackt rennen die Damen nach Hause, schmieren und kleistern ihre Rundungen ein, warten drei Stunden, sehen ihre Oberschenkel flüchten und fühlen sich dann so schlank wie die Gitterstäbe im Hochsicherheitstrakt der JVA Roter Ochse in Halle an der Saale. Und die sind schließlich auch ihr Geld wert.

IKEA Bavaria

Antonia zieht nach München. Ilka und FrauvonWelt hinterher. Samstags, frühmorgens, mit Kaffee und Croissants im Magen, trägt sie der Asphalt ins Land der Bajuwaren. Antonias neue Wohnung ist himmelschreiend - oder entzückend, wie FrauvonWelt bei totaler Begeisterung zu sagen pflegt. Wenn nur dieses Durcheinander nicht wäre: diese meterhohen Kisten, diese Möbel kreuz und quer und diese IKEA-Kartonagen. Aber nein, es fehlte keine Schraube, kein Imbus, kein Garnichts – nicht mal ein Akkuschrauber war da. Nach zwei Stunden und fünf Kaffeestückchen stand das Monstrum.
Ein Zimmer der Wohnung wurde zur vorläufigen Rumpelkammer, die alle Kartons schlucken musste, erklärt. Wie ein Trickfilm im Schnelldurchlauf rannten die Mädels durch die Hallen und stellten alles an seinen Platz. Nach weiteren drei Stunden waren die Räumlichkeiten bewohnbar. Abends dann Spaghetti alle vongole. Antonias italienische Mama, die ebenfalls zugegen war, vollbrachte Meisterleistungen trotz fehlender Töpfe und Pfannen.

Sonntag Kirchgang. Beten und Büßen. Wer ohne Sünde war, traf sich auf dem sonnengetränkten Balkon zum Frühstück. Der blauweiße Himmel schaute neidvoll auf die frischen Backwaren, Alfonso aus dem Erdgeschoss auch. Ob die Damen am Mittag Lust hätten auf Fisch, die Frage. “Na klar, haben wir.”, war unisono die Antwort. Alfonso, der sich mit Antonia die Nationalität teilte, konnte ebenso gut kochen wie reden. Mit sechs Damen am Tisch, zwei davon seine, fühlte er sich wie die Kinder Israels.

Prosecco, Pasta, Scampi, gegrillte Dorade, Salate, Vino, Espresso und die köstlichste Ananas der nördlichen Hemisphäre – Alfonso schaffte sie alle sechs. Die Damen schleppten sich auf die Liegestühle, er schaute zufrieden in den Himmel, strich sich über sein wohlgerundetes Bäuchlein und fragte, ob er noch irgend jemandem etwas anbieten könne. Die Antwort verstarb auf dem Weg zu seinen Ohren.

Eine Stunde später waren FrauvonWelt und Ilka wieder bewegungsfähig und dachten sich nach Hause. Eine weitere Stunde später flogen sie dann wirklich. Schöan wars.

Schwesterherzen

Da es den Interessen gewisser Herren entgegen kommt, hier nun Details über die SchwestervonWelt. Ja, auch sie ist in der Beautybranche tätig, allerdings mehr in der Inneren Abteilung. Unter ihren Händen wird Krankes gesund und Blockiertes kommt wieder in Schwung. Sie legen sich hin und tun eigentlich nichts mehr – nur Entspannen und Genießen – und dann kommen die Hände: CranioSacrale Therapie, erfunden von Dr. John E. Upledger. Warum alternde Männer Therapieformen entwickeln, die dann überwiegend von Frauen ausgeführt werden, mag an der Hand, respektive den Händen liegen. Die von SchwestervonWelt können geradezu Wunder bewirken: Einst brachte sie einen hüftkranken Mittvierziger wieder zum Hüpfen, ihren eigenen Vater machte sie wieder sehend und den Dachschaden unserer FrauvonWelt konnte sie auch einigermaßen wieder reparieren. Seitdem schwingt auch bei FrauvonWelt das Oberstübchen wieder fröhliche Kreise. Kinder fallen unter den schwesterlichen Händen sofort in ein schlafähnliches Hellwachkoma und räumen anschließend freiwillig das ganze Haus auf. Für ganz schwere Fälle gibt es das Upledger Intensivprogramm. Sehr hilfreich.

Ganz entzückend

Das schlägt dem Fass den Boden ins Gesicht: FrauvonWelt war im Traktorenmuseum. So was gibt’s wirklich, so was macht sie. Ein Haus voller schöner roterblauergrüner Traktoren. Und ein nicht mal kleines Haus. Dicht an dicht stehen sie da drin. Ob Hanomag, Deutz, Lanz oder MAN – FrauvonWelt hat sie gesehen und berührt und war ganz entzücktentzückt. Nein, sie hat nicht aufgesessen, ist nicht über den nächstgelegenen Acker gebrummt und hat auch sonst nicht versucht, irgendwelchen in ledergewickelten, zweiradmotorisierten Herren (die gab es da zu hunderten) zu imponieren. Sie war einfach nur da und war entzückt. Über sich und die Traktoren. Sie war während der üblichen Öffnungszeiten da und hat die üblichen 5,50 Euro Eintritt bezahlt. Aber was, was hat sie dorthin geführt?

Frohe Ostern

FrauvonWelt hat es gefunden: das schönste OstereivonWelt. Jetzt ist sie happy und wünscht allen fröhliche Ostereier. Allen voran Herrn Schoss in der Meinestraße und Herrn Schmitz aus der Psychiatrie, natürlich auch dem nicht weniger gestörten Herrn Mr. Spott in der Anstalt. Und was wären wir alle ohne unser massenpublikum und die so wohltuende meerluft? Auch der Herold, der sich nicht mehr her traut, soll sich bedacht fühlen. Der Mond möge scheinen über Luna in flagranti. Dem armen Stockfisch (Tut es sehr weh?) und dem immer quietschfidelen Dr. Wassmuth ebenfalls österliche Grüße. Und natürlich auch all den anderen, die hier reinschauen und die Klappe halten, wahrscheinlich, weil es besser so ist.