Monthly Archive for April, 2008

Die zwölf Arbeiten der FrauvonWelt

FrauvonWelt ist wieder im Pumpernickelland. Was macht sie denn nun ständig da, wird sich kaum ein Leser fragen. Na, dann berichten wir halt mal: Sie arbeitet! Und zwar so richtig. So wie man es früher getan hat. Als Arbeit noch Arbeit war. Damals bei den Göttern.

Das Pumpernickelland hat ja eine ganz enge Verbindung mit der Antike, schon allein wegen des Pumpernickels. Warum genau ist leider nicht überliefert. FrauvonWelt weiß es auch nicht. Das spielt jetzt auch nicht die wichtigste Rolle, die gebührt ja sowieso nur einer. FrauvonWelt also. Im Dienste des Königs des Pumpernickellandes muss sie den zwölf Arbeiten des Herakles gleich große Dinge vollbringen.

Die erste Aufgabe hat FrauvonWelt bereits bei ihrem letzten Aufenthalt hier gemeistert. In das Löwenfell gewickelt macht sich FrauvonWelt nun an die zweite Arbeit. Die neunköpfige Hydra wartet auf ihr Ende.

Hier die Agenda der nächsten Wochen und Monate:

1. Erlegung des Nemëischen Löwen
2. Tötung der neunköpfigen Hydra (Lernäischen Schlange)
3. Einfangen der Kerynitischen Hirschkuh.
4. Einfangen des Erymanthischen Ebers.
5. Ausmisten der Rinderställe des Augias.
6. Ausrottung der Stymphalischen Vögel.
7. Einfangen des Kretischen Stiers.
8. Zähmung der menschenfressenden Pferde des Diomedes (Thrakien).
9. Herbeischaffung des Wehrgehänges der Amazonenkönigin Hippolyte
10. Raub der Rinderherde des Riesen Geryon.
11. Pflücken Goldener Äpfel der Hesperiden
12. Heraufbringen des Wachhundes der Unterwelt Kerberos an die Oberwelt.

Spitzenersatz

Herr Schoss hat keine Stimme mehr. Die geplante Lesung am Samstag kann also nicht vollzogen, der Wein nicht getrunken werden. Nun war aber FrauvonWelt extra derowegen beim Frisör, stundenlang und teuer. Die Haare liegen spitzenmäßig, die Schühchen stehen bereit. Wohin nun also?
Da gibt es nur eine Lösung. FrauvonWelt tippelt mal wieder in die entlegenste Ecke Europas, in den Kraichgau. Dort gibt es den verwegensten Autor Deutschlands, den Schmitz. Und dieser verwegene Autor in der entlegenen Ecke hat die vielleicht elmargunschigste Stimme der Welt. Und mit dieser startet er nun exklusiv für alle eine Ersatzlesungsreihe, die wahrscheinlich nach Folge 1 wieder abgebrochen werden muss, weil der verwegene Autor mal wieder seinem Nachbarn Herrn Armabtreter beiwohnen muss, da dieser sonst und alleine die Getränkeflaschen sonder Zahl (wie Herr Schoss zu sagen pflegt, wenn er bei Stimme ist) nicht auf kriegt. Sachen sind das. Aber so isser, der Schmitz. Spitzenersatz. Quasi für alles.

Frühstückseinladung

Es gibt Dinge, die versteht FrauvonWelt nicht. Bei einem Spaziergang durch’s Städtchen lag plötzlich ein Zettel vor ihren Füßen. Eine Einladung. Der Blick nach oben verriet nichts, der nach links und rechts auch nichts.

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Probebrötchen? Sackzement, dachte sie. Sackzement denkt sie immer, wenn sie das Gefühl hat, da stimmt was nicht. Sackzement denkt sie manchmal auch, wenn sie denkt, da kann nur Ettore hinter stecken. Das hat sie aber in diesem Fall nicht gedacht. Denn so kurze Sätze kann Ettore nicht.
Probebrötchen also? FrauvonWelt betrachtete den Zettel genau, warf einen kurzen Blick auf die Rückseite, leer. Seltsam. Wo bitte sind die Brötchen?

Gesucht: Raum in Nürnberg

Der ehrenwerte und überaus großmütige Herr Schmidt hat sich bereit erklärt, sein Bett für FrauvonWelt nach Nürnberg zu tragen. Nun müsste noch ein geeigneter Raum gefunden werden, in dem er das Bett abstellen kann. Ein Schloss, eine Villa, ein Häuschen, eine Herberge, vielleicht ein Stall auf dem Felde? Wer einen Raum in Nürnberg zur Verfügung stellen kann, bitte melden.

Herr Schmidt, bleiben Sie eigentlich vor Ort?

Gesucht: Bett in Nürnberg

FrauvonWelt weilt vom 21. bis 23. Mai in Nürnberg. Scheinbar Millionen andere auch. Heißt: Die Hotels in Nürnberg sind dicht. Auch ihr Lieblingshotel hat kein Bettchen mehr frei. Da FrauvonWelt ungern unter Brücken schläft, hier ein Hilferuf: Wer baut noch schnell ein Hotel in Nürnberg, in dem FrauvonWelt nächtigen kann? Sie braucht es warm und kuschelig und will das beste Frühstück der Stadt.

Schuhe, die die Welt nicht braucht (1)

Es ist kein Geheimnis: FrauvonWelt ist eine leidenschaftliche Schuheinkäuferin. Zum Thema „Frauen und Schuhe“ gibt es kilometerlange Abhandlungen, die alle irgendwie richtig und auch gleichzeitig totaler Schwachsinn sind. Vor allem aber: völlig unwichtig.
Frau braucht Schuhe, soviel steht fest. FrauvonWelt kauft pro Jahr geschätzte zwanzig bis dreißig Paar Schuhe. Darunter sind leider auch immer wieder Fehlkäufe. Ganz klar: Je höher die Schuheinkaufsgeschwindigkeit, desto höher auch die Fehlkaufrate. Um den Ursachen der Fehlkäufe auf die Schliche zu kommen, kramt FrauvonWelt ab heute und dann regelmäßig genau die Schuhe aus den Ecken, die sie nie trägt. Vielleicht kann die Fehlkaufrate so in Zukunft minimiert werden.

Zuerst hervorgekramt: blaue Ballerinas.

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Ballerinas sind ganz klar was für kleine Mädchen mit Storchenbeinen, die auch Leggins mit Minirock tragen. Zu dieser Zielgruppe gehört FrauvonWelt definitiv nicht. Warum sie diese Schuhe dennoch gekauft hat, ist ein großes Rätsel. Vor allem, was sie geglaubt haben mag, zu diesen Dingern tragen zu können.

Mag sein, FrauvonWelt fühlte sich an diesem Tag wie ein kleines Mädchen mit Storchenbeinen. Das wäre eine Erklärung. Ist aber auszuschließen. FrauvonWelt fühlt nie Storchenbeine. Mag sein, FrauvonWelt hat gehofft, bald ein kleines Mädchen mit Storchenbeinen sein zu können und hat dieser Hoffnung zur Huldigung schon mal entsprechende Schuhe gekauft. Auch Quatsch. Wer huldigt schon einer Hoffnung, die es nie gab.

Was dann? Es war keine Verkäuferin zugegen, die ihr die Schuhe aufgeschwatzt hat. Das gelingt meistens sowieso nicht. Gegen Aufschwatzversuche ist FrauvonWelt ziemlich resistent, es sei denn, der Verkäufer sieht so aus, wie Herr Schmidt mit verwuscheltem Haar. Dann würde sie sogar grüne Ballerinas kaufen. Aber es war kein verwuschelter Herr Schmidt zugegen. Das Wetter kann es auch nicht gewesen sein. Es war ein zwitschernder Frühlingstag mit winzigen Wölkchen am Himmel, ein idealer Schuheinkaufstag also. Es lag auch kein Stress in der Luft, ganz im Gegenteil, FrauvonWelt war in Österreich, Urlaub also. FrauvonWelt hegt ja schon seit geraumer Zeit den Verdacht, dass ihr Urlaub nicht bekommt. Diese Luftveränderung hat ungünstige Auswirkungen auf ihren Biorhythmus. In der Regel braucht sie genau 14 Tage um sich zu akklimatisieren. Da sie aber nie länger als acht Tage unterwegs ist, kann sie sich die auch gleich sparen.

Fazit:
FrauvonWelt macht entweder drei Wochen Urlaub oder gar nicht. In drei Wochen kann man auch viel mehr Schuhe kaufen.

“Ich habe sie verwirrt”

Manchmal greift FrauvonWelt ein Buch aus dem Bücherregal, schlägt irgendeine Seite auf und liest. Heute:

Selbst bei meinen Freunden erregte ich hier und dort Ärgernis. Ein fortschrittlicher Universitätsprofessor brach die Lektüre meines Buches ab und schleuderte es durchs Zimmer.

Camus beschuldigte mich mit einigen missgelaunten Sätzen, den französischen Mann lächerlich gemacht zu haben. Aus dem Mittelmeerraum stammend, von spanischem Stolz besessen, billigte er der Frau die Gleichheit nur im Unterschiede zu, und offensichtlich war er, wie George Orwell es ausgedrückt haben würde, der „gleichere“.

Für die meisten waren meine Ausführungen über die Frigidität der Frau eine Beleidigung. Sie wollten nach wie vor an dem Glaube festhalten, dass sie das Vergnügen nach eigenem Gutdünken schenkten. Daran zweifeln, hieß sie entmannen.

Die Rechte konnte nicht anders, als das Buch verabscheuen, das übrigens in Rom auf den Index gesetzt wurde.

Die nichtstalinistischen Marxisten waren nicht viel besser. Als ich einen Vortrag an der École Émancipée hielt, erwiderte man mir, dass, wenn erst einmal die Revolution stattgefunden habe, es das Problem der Frau nicht mehr gäbe.

Das Buch fand auch Verteidiger: Francis Jeanson, Nadeau und Mounier. Es löste öffentliche Debatten und Vorträge aus und bescherte mir viel Post.

Schlecht gelesen, schlecht begriffen, brachte es die Gemüter in Bewegung.

Alles in allem ist es vielleicht unter meinen Büchern dasjenige, das mir die tiefste Befriedigung gewährt hat.

Ich habe mich nie der Illusion hingegeben, die Lage der Frau ändern zu können.

Klarheit macht zwar nicht glücklich, hilft aber, glücklich zu werden, und flößt Mut ein. Psychiater haben mir gesagt, dass sie das Buch ihren Patientinnen, und nicht nur Intellektuellen, sondern auch Kleinbürgerinnen, Angestellten, Arbeiterinnen, zu lesen geben.

„Ihr Buch war mir eine große Hilfe … Ihr Buch hat mich gerettet“, schrieben mir Frauen aller Altersstufen und verschiedenster Schichten.

(Simone de Beauvoir in „Der Lauf der Dinge“, 1963, über „Das andere Geschlecht“, 1949)