Monthly Archive for Oktober, 2008

Flirtseminar

FrauvonWelt wühlt sich weiter durch die Tageszeitung und sammelt Sätze. Dann plötzlich diese Überschrift: “Bei der VHS Flirten lernen.” FrauvonWelts gesammelte Aufmerksamkeit lauert nun vor diesen Worten.

“Flirt-Seminar. Darin sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren, wie sie locker und spielerisch mit anderen in Kontakt kommen können und obendrein nachhaltig einen positiven Eindruck hinterlassen. Sie sollen erkennen, dass Partnersuche nicht etwa vom Zufall abhängig sei, sondern dass sie aktiv durch Flirt-Strategien und den Einsatz des individuellen Stils beeinflusst werden kann. Seminarinhalte sind unter anderem das Entwickeln eines individuellen Flirtstils und die Erkennung und Deutung von Körpersignalen. Außerdem geht es um die Formulierung von Beziehungswünschen und -erwartungen an den Traumpartner, mögliche Unsicherheiten, wenn es um die Kontaktaufnahme geht sowie um Hilfe durch Flirttechniken bei Kontaktschwierigkeiten. Das Seminar ist auf sechs Termine verteilt, wobei einer dieser Abende spezielle für Tanzen und Essengehen vorgesehen ist.”

FrauvonWelt erwägt eine Teilnahme. Soll sie? Soll sie nicht? Wo ist das Gänseblümchen? Man darf die Partnersuche in der Tat nicht dem Zufall überlassen, der ist nämlich eine blöde Sau (tschuldigung!). Der pickt sich selbst die Besten raus und die weniger Besten gibt er weiter. Nein, man muss selbst tätig werden. Zum Beispiel durch den Besuch eines solchen Seminars. Dort gehen ja nur Menschen hin, die es ernst meinen. Die wollen wirklich was lernen. Wer will das heute schon noch? Heute wollen doch alle nur noch schnellen Sex. Ohne Lerneffekt. Fragen nicht nach Mutter oder Vater oder anderen Krankheiten, nix da, alles uninteressant, Gespräche sowieso. So ein Seminar ist eine Zusammenkunft von Gleichgesinnten, die mal nicht in einer hyperaktiven Massenorgie endet. Eine Insel der Glückseligen sozusagen. Besonders auf den Tanzabend freut sich FrauvonWelt. Das kann sie nämlich schon.

Tageszeitung at its best

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und liest mal wieder Tageszeitung. Mitunter landen diese Dinger kostenlos in ihrem Briefkasten, dann darf man die auch lesen. Heute der Medien-Tipp: “Am… hat im Lokalradio Moderatorin Andrea Wolf den Lehrer Manfred Pöller zu Gast. Viele kennen den umtriebigen Lehrer, der immer wieder mit Büchern in Zusammenhang gebracht wird.” Oha.

Saunamädels

FrauvonWelt schaukelt auf ihrem rosa Plüschsessel rum und denkt darüber nach, warum Menschen heiraten, und warum sie selbst es wohl getan haben würde, wenn sie es denn täte gewollt haben.
Es gibt ja Mädels, die heiraten aus Liebe, die anderen wegen des Geldes, wieder andere, wegen der Kinder. Schön auch der Satz (erst gestern wieder im Fitnessstudio gehört): Ach ja, das gehört halt dazu! FrauvonWelt kriegt rosa Pusteln, wenn sie so etwas hört (in der Sauna). Man will ja entspannen, wenn man da so rumschwitzt, aber diese Vorstellungen von Zukunft, Ehe und Familie, die aus diesen naiven Mündern blubbert, die ist zum Haareraufen. Liebe, Geld und Kinder - mit dem Trauschein ist alles schön abgesichert. Die Zukunft rosarot. Der Blick aufs Thermometer verrät, es ist heiß. Zeit für die Dusche.

Miss Platnum, bitte…

Lay Lady Lay

Sie war eine Hure und eine brillante Schreiberin. Ihre Leserschar blieb oft unentdeckt, aber klein war sie nicht. Sie schrieb sich ihr Leben, ihr Lieben und Leiden von der Seele. In ihrem Atelier, wie sie es nannte, war sie die Liebes- und Lebenskünstlerin. Mit ihrer stets leisen und sinnlichen Sprache, ließ sie uns teilhaben an ihren Abenteuern, an ihren Wünschen und Träumen. Sie liebte das Spiel mit der Farbpalette und tauchte ihre Worte gerne in ein sanftes Rot oder ein leuchtendes Grün bevor sie sie aufs Papier brachte.
Die Frage, ob sie echt war, oder nicht, stellt sich nicht. Seit Februar dieses Jahres steht ihr Blog still. Lediglich ein paar sich sorgende Kommentatoren verlieren sich in Spekulationen über den Verbleib von Lady M. Und in der Tat, gibt es einige Ungereimtheiten. Das plötzliche Verstummen, die kurz zuvor erwähnten Krankenhausaufenthalte, keine Worte des Abschieds, kein Wort nirgends. Ihre Fangemeinde war groß, und Lady M. war niemals gleichgültig.
Sich an den Spekulationen über Ihren Verbleib zu beteiligen ist müßig. Ich fürchte, wir werden nicht erfahren, was wirklich passiert ist.

Virtuelle Welt. Die Menschen gehen verloren.

Den Dylan hatte die Lady immer bei sich.

How to be a successful writer

Mit acht Jahren wollte FrauvonWelt Schriftstellerin werden. Sie schrieb einen Traum auf, einen Traum von einem total coolen Jungen. Als sie die Geschichte wieder und wieder gelesen hatte, war sie so überzeugt von sich, dass sie gleich den nächsten Traum träumen wollte. Sie schrieb fortan alle ihre Träume auf. Die waren fast immer identisch: Sie verliebten sich, sie kriegten sich, sie waren glücklich. Diese Phase dauerte ungefähr zwei Jahre, dann hatte FrauvonWelt diese Träume satt. Sie wechselte die Kulisse (sonst immer Schule) und sie tauschte das Personal aus. Das ging total schief. FrauvonWelt war nicht verliebt in ihr Personal. Das heißt, der bisherige Handlungsverlauf funktionierte nicht mehr. Was tun? Jobwechsel. FrauvonWelt wollte fortan Psychologin werden, eine Frau, die anderen Menschen sagt, warum sie so blöde Sachen machen. Sie hatte nämlich mitbekommen, dass ihre Mutter wegen ihr bei einer Psychologin war. Und die hat der Mutter erzählt, warum FräuleinvonWelt so blöde Sachen macht. Das hat alles gestimmt. FräuleinvonWelt hat dann angefangen tiefenpsychologische Briefe an ihre Freunde zu schreiben. Bald hatte sie keine Freunde mehr. Was tun? Jobwechsel. Erst mal Papa fragen. Papa sagt, mach was mit Wirtschaft. Also die Mama gefragt. Mama sagt, mach was mit Kunst. Total desillusioniert macht Teenievonwelt Lyrik. Ein Gedicht, in dem sie nicht mindestens dreizehn Mal ertrinkt oder fünfzehn Mal von der Brücke springt, fällt durchs Raster. Sie überlebt auch das. Was tun? Jobwechsel? Nein. Sie fängt einfach wieder an zu träumen. Das hat sie immer gekonnt. And tomorrow we start on a trilogy.

Schokoladiges Andenken

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und denkt zurück. Da gab es eine Oma, die immer etwas ganz Bestimmtes im Schrank liegen hatte. Manchmal klopfte sie an die Tür, wenn das FräuleinvonWelt sich in ihr Zimmer verkrochen hatte. Sie klopfte, öffnete die Tür, legte das kleine Etwas aufs Bett und ging wieder. FräuleinvonWelt hechtete zum Bett und versank für die nächsten Sekunden im Genussrausch.

Die Oma lebt nicht mehr und auch FrauvonWelt hat ihre Jugendsünden längst hinter sich gelassen, bis auf eine, eine ganz bestimmte.

Dieses kleine, schokoladige Etwas landet auch heute noch oft genug beim Einkaufen in FrauvonWelts Tasche. Natürlich denkt FrauvonWelt beim Genuss immer an die Oma. Natürlich isst FrauvonWelt genau wie damals den Keks immer noch zuerst.

Happy birthday, Omi.

FrauvonWelt goes Hollywood aber erst verrückt

FrauvonWelt kann heute kein Wort schreiben. FrauvonWelt muss heute einen Film drehen. Von sich. Sowas hat die Welt noch nicht gesehen. Wie die sich anstellt. Im Kleiderschrank hängt kein Fetzen mehr, alles dreifach anprobiert. Natürlich ist das Richtige nicht dabei. Außerdem war sie nicht beim Frisör. Die Haare schlabbern rum. Nichts schlimmer als rumschlabbernde Haare. Oh Gott und überhaupt. Die blaue Samthose passt nicht mehr. Warum hat ihr keiner gesagt, dass sie fünfundsiebzig Kilo zugenommen hat? Warum ist die Maskenbildnerin nicht da, der Frisör, der Kostümbildner, der Kulissenbauer, der Stuntman? Warum steht da nur dieser Mann mit der Kamera und grinst. Warum kommt das eigentlich immer so plötzlich? Warum wird man da nicht behutsam drauf vorbereitet? Warum ist keiner da, der FrauvonWelts Hand hält? Filme gehören abgeschafft. Für immer. Ab jetzt.