Monthly Archive for Januar, 2009
FrauvonWelt ist dieser Tage bewaffnet. Mit Zollstock, Hammer und Co.
Worte hat sie keine mehr. Außer vielleicht das schönste Schimpfwort der Welt: Schussbrokomiskäsefußfetterpopelfresserverpisstermistmirreichts!
Es begab sich zu der Zeit, da ein Wunschgebot aus Annersberg ausging, sich zu wünschen, was die Fichte hält. FrauvonWelt schüttelte die Wunschzapfen, wie Wunschzapfen sich wünschen würden geschüttelt zu werden, wenn sie sich denn was wünschen könnten. Und während sie schüttelte, dachte sie ganz innig: Ich wünsch mir ne kleine Miezekatze für mein Wochenendhaus.
Kurz darauf erfuhr FrauvonWelt, dass Annersberger Wünsche immer wahr werden. Seltsam vertraute Töne kamen aus ihrem Briefkasten:
Schade nur, dass FrauvonWelt ihren alten Plattenspieler schon in einen der nicht mehr zählbaren Umzugkartons verstaut hat. Und überhaupt: Wie heißen denn bitte noch diese schwarzen Drahtdingens, die man in die Mitte der Single stecken muss, damit sie auf dem Pinöckel des Plattenspielers passen? (Sackzement, dieser Satz ist kaum unfallfrei zu schreiben.) Also, wie heißen denn diese Dinger, von denen Herr Kainer natürlich keines beigelegt hat, was FrauvonWelt wiederum einen Besuch in Annersberg wert wahr, um noch einen Wunsch zu verzapfen.
Und überhaupt überhaupt: Wo bleibt das Wochenendhaus? Das war schließlich auch gewünscht! Wütend machte sich FrauvonWelt auf in die Annersberger Amtsstuben. Gewisse Beschwerden müssen persönlich vorgetragen werden, sonst bleiben sie wirkungslos. FrauvonWelt schneite also in die Amtsstube des Bürgermeisters und verlangte eine sofortige Wunscherfüllungskorrektur. Adam Kainer, der ganz offensichtlich noch immer damit beschäftigt war, seine Weihnachtsgeschenke zu verpacken, entschuldigte sich für den Fauxpas, bot seine Amtsstube als Wochenenddomizil an und begann sogleich die eigens für ihn komponierte Hymne anzustimmen:
So beweglich hatte FrauvonWelt den Bürgermeister noch nicht erlebt. Leise verließ sie sein Büro, schloss die Tür hinter sich und schlich abermals zur Wunschfichte: Alles Gute für Herrn Kainer.
Der Plüschsessel bleibt dieser Tage leer. FrauvonWelt hat keine Zeit die Welt zu betrachten. Hin und her und her und hin flitzt sie von einer Umzugskiste zur anderen. Der Blick über die Kartontürme fällt schwer und meistens ins Chaos.
Bevor FrauvonWelt sich selbst in einer so Kiste packt, gilt es, noch ein Versprechen einzulösen. Lady Wombat hat vorgelegt, FrauvonWelt stiefelt hinter her. Keine zwölf Zentimenter, aber warme Füße. Und absolut hangsicher.
Das Chaos im Hintergrund ist das Ergebnis des heutigen Regalausräumens. Man sollte ja annehmen können, in einem Bücherregal stünden auch nur Bücher, wirklich interessant wird es aber erst hinter den Büchern: vergessene Weihnachtsgeschenke, versteckte Schokolade, ein paar Socken, Handwerkerrechnung von 2005, den längst verloren geglaubten Garantieschein von der alten Kamera, Kaugummi (ich kaue nie Kaugummi), literarischer Reisekalender 2008.
Das vergessene Weihnachtsgeschenk, das gehört jetzt mir:
Oder nein, wer die trefflichste Begründung liefert, warum ausgerechnet er das Weihnachtsgeschenk verdient hat, soll es haben.
FrauvonWelt hat eine in esoterischen Belangen sehr bewanderte Schwester. Diese Schwester verlangte nun eine Hausräucherung für das neue Haus. Das sie selbst mehrere hundert Kilometer weit entfernt wohnt, packte sie ein liebes Päckchen mit Weihrauch, Knisterkohle, Engelsduft, Pralinen und Räuchergefäß. Hola, dachte sich FrauvonWelt, dann mal los. Denn da kann sie das noch für den größten Kokolores unter der Sonne halten, wenn die große Schwester das wünscht, dann wird das gemacht.
Also Karton geschnappt und ab ins Haus. Alle Utensilien bereit gelegt und schon qualmt der Weihrauch. FrauvonWelt versucht ein tief versunkenes Gesicht aufzusetzen und geht langsam und bedächtig mit der Weihrauchfackel alle Zimmer ab. Sie begrüßt alle Hausgeister einzeln und bitte sie höflich das Haus zu verlassen. Ein klitzekleiner meint, er könnte davon kommen, in dem er sich im Keller versteckt, aber FrauvonWeihrauch ist schneller. Husch, husch, fächel, fächel, weg mir dir. Aber nein, unter der Kellertreppe da hockt er noch immer. Der Weihrauch scheint ihm nichts auszumachen. Na, dann bleib halt da sitzen, denkt sich FrauvonWelt und schreitet tief versunken die Treppe wieder rauf, als plötzlich ein ohrenbetäubender Lärm die Grundmauern des Hauses erzittern lässt. In Sekundenschnelle stehen bei FrauvonWelt Ohren, Haare, Arme und Beine senkrecht. Was ist das? Die Geister? Wie blöd rennt FrauvonWelt ins Obergeschoss, da liegt irgendwo ihr Handsprechfunkgerät. Aber wo? Wie soll man bei diesem Lärm denken können? Wen anrufen?
Es vergingen endlose Minuten bis FrauvonWelt die Situation und die Batterie des Rauchmelders im Griff hatte. Jetzt, wohnt garantiert kein Geist mehr in diesem Haus.
Ein Anfang! FrauvonWelt schleudert den leicht staubigen Blaumann in die Ecke und zoscht die Flasche Bier auf. Prost! Sie war fleißig in den vergangenen Tagen:
Das Laminat im Keller ist verlegt:

Die Teppiche im Obergeschoss sind raus:

Die alte Küche ist verschwunden und der Grundstein für die neue Bibliothek gelegt:

FrauvonWelt war sogar schon bei einem nicht unbekannten Telekommunikationsunternehmen und bat den Telekommunikationsbediensteten dafür zu sorgen, dass sie auch zukünftig die Welt von ihrem rosa Plüschsessel aus betrachten kann. Der Telekommunikationsbedienstete war einer von der Sorte, die man gerade aus dem Winterschlaf zu wecken scheint, aber FrauvonWelt ist voll der Hoffnung.
In diesem Sinne: Allen Lesern ein rosarotes 2009 und auch sonst ein farbenfrohes Durcheinander.
Herzlich und blaumännisch
Ihre FrauvonWelt
PS: Gibt es eigentlich rosafarbene Blaumänner?




















Neueste Kommentare