Monthly Archive for Februar, 2009

Doppelpack

Wenn FrauvonWelt Schuhe kaufen geht, müssen es immer zwei Paar sein. Wenn sie Eis essen geht, immer für zwei. Wenn sie Spiegeleier macht, immer zwei. Wenn an einem Tag zwei befreundete Bands zwei CDs veröffentlichen, dann kauft FrauvonWelt beide zweimal, und hört sie rund um die Uhr. Gleichzeitig. Schließlich hat FrauvonWelt zwei Ohren.

Links hört sie Liza, dazu träumt sie vom Sommer in Portugal, heißem Sand unter den Füßen, glasklar das Wasser, der beste Fisch der Stadt knuspert über dem Grill, dazu perlt der Weißwein im Glas. So könnte es bleiben. Würde es auch, wenn nicht der Starkolumnist des schwedischen Musikmagazin, unser Dichter und Trinker Baptiste, mit seinen zitternden Händen den ganzen Wein über den Fisch kippte.

Mit dem rechten Ohr hört sie KonFerenz, träumt von heißen Nächten in kühlen Straßenschluchten, hört Absätze über den Asphalt klackern, ein paar Stimmen, Schweißperlen, leise dringt die Musik durch die Kulisse. Mitträumer sind in diesem Fall der welterfahrenste Raketenwissenschaftler und Hobbymusikredakteur Herr Scheibster, der dieser sehr InTakten BeStimmung folgt, ebenso unser hochgeschätzer Dichter und Trinker Baptiste, der für das schwedische Musikmagazins Jazzt poppen atemraubende Kritiken verfasst.

So oder so, links oder rechts, oben oder unten, Musik die begeistert, weil die Macher begeistern. Auch den OsterhasenvonWelt.

Die Kühe von einem ehemals rosa Plüschsessel aus betrachtet.

Lange hat FrauvonWelt gesucht. Jetzt hat sie ihn gefunden: den richtigen Platz für ihren Plüschsessel:

Von hier oben wird sie nun die Welt betrachten. Die Welt, die hier nur noch aus ein paar Hasen, vereinzelten Rehen, zwitschernden Vögeln oder hier und da ein paar Kühen besteht. Der geliebte Sessel hat bei den Umzug leider ein paar Federn lassen müssen, weswegen er nicht mehr ganz so plüschig ausschaut. Rosa ist er auch nicht mehr wirklich. Aber der Himmel, ist er nicht wunderhübsch rosa?

Draußen vor der Türe… MC Winkel

Wenn es auch bisher noch keiner gewusst hat, am wenigsten FrauvonWelt selbst, dann sei es jetzt hiermit offen kund getan: FrauvonWelt ist ein kleines Wettbewerbsluder. Kaum ein Wettbewerb, der nicht mindestens mit der Überlegung, ob sie denn nun teilnehmen soll, oder nicht, bedacht wird. Meistens nimmt sie nicht teil, was aber nichts daran ändert, dass sie eigentlich immer und überall teilnehmen will. Aber wie heißt es so schön: Nicht nur wollen, man muss auch können können! Einer, der sich dieses Motto quasi auf den linken (oder war es der rechte?) Oberschenkel tätowiert hat, ruft nun zu einem Wettbewerb auf.
Und diesmal gab FrauvonWelt alles. Sie stürmte bei grauseligstem Wetter vor die Türe, schaffte zunächst tonnenweise Schnee in ihre Waschmaschine, dreimal Schleudergang bei 90 Grad, schaffte das strahlend weiße Zeug wieder vor die Türe und baute, und baute, und baute… und baute, und modellierte und zog ihm eine Mütze auf, packte ihn in einen dicken Mantel, band ihm einen Schal um, weil er sich doch so leicht erkältet und immer jammert über dieses Shitwetter, kurzum, das Ergebnis: MC Winkel aus Schnee und Eis!

Die Nase, schönster Herr Winkelsen, habe ich dreimal abgebissen.

Draußen vor der Türe… (1)

FrauvonWelt macht verrückte Sachen. Jetzt hat sie eine Webcam direkt vor ihrer Haustür installiert. Tagelang wurde gebastelt und geschraubt, natürlich funktionierte nichts. Also spielt sie selbst nun lebende Webcam und fotografiert das Treiben draußen vor der Tür. Sensationell: Nicht sekündlich, nicht minütlich, nein, viermal im Jahr wird das Bild aktualisiert. Ein Meilenstein in der Geschichte des lippischen Webcaminstallationswesens.

Aktueller Stand: 16. Februar 2009, 9.25 Uhr, minus 1 Grad, Schnee überall, der Mülleimer steht immer noch neben der Bank, keine Vögel auf den Birken, es schneit, und wenn der Schneeräumer noch dreimal hier her fährt, dann kommt FrauvonWelt nicht mehr mit dem Auto auf die Straße.

Bierdeckel von Ihre Biersorte

FrauvonWelt sitzt derzeit wenig in ihrem rosa Plüschsessel. Die Weltbetrachtung muss warten, allemal auf besseres Wetter. Dieses weißes Zeugs da draußen macht ja ganz matschig in der Rübe. Menschen mit matschigen Rüben gibt es viele. Heute schreibt einer:

Sehr Geehrte Firma,
Da Ich ein Sammler von Bierdeckel bin, frage Ich bei Ihnen an weil Ich meine Sammlung ausbreiten möchte.
Ich möchte freundlich bitten Mir einige Bierdeckel von Ihre Biersorte zu schicken.
Eventuelle Kosten will Ich gerne übernehmen.
Hochachtungsvoll:
G.J. Hawinkels

Wunderbar. Schicken Sie mir bitte drei Millionen in kleinen Scheinen, dann kriegen Sie auch Bierdeckel von meine Biersorte. Solange gehe ich dann mal wieder Möbel aufbauen. Sackzement!

FrauvonWelt auf dem Dorfe

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und betrachtet die neue Welt da draußen vor ihrem Fenster. Drei Birken sieht sie, dahinter recken sich Fichten in den graublauen Himmel. Heute rühren sie sich nicht. Windstille. Zwei, drei Spatzen springen durch die noch kahlen Birkenäste. In der Ferne ein Stromkasten. Grau, daneben etwas Grünes. Eine kleine Rasenfläche, eine Bank, ein Mülleimer. Warum stellt man die Mülleimer immer direkt neben die Bänke?
Ein paar Häuser, ein Holzbalkon, sogar eine schicke Hütte hat man im Garten. Eine Frau mit Regenschirm durchbricht den Blick auf den weißen Gartenzaun. Alte Straßenlaternen, jetzt leuchten sie nicht, aber abends sehen sie sehr schön aus, sie machen ein warmes, weiches Licht. Das Licht jetzt ist blaugrau. Das heißt es ist grau, aber es hat schon etwas Blaues in sich. Die Sonne wird kommen. Ein Auto fährt vorbei. Es ist das erste in dieser halben Stunde. Am Straßenrand warten die letzten Schneereste auf die wässrige Fahrt in den Gulli. Er hat sich hier lange gehalten, der Schnee. Die Schneeberge waren hoch. Eine Frau mit einem Blumenstrauß, ja, es ist gleich elf Uhr, um elf Uhr geht man gratulieren. Der Gastgeber wird den Sekt kalt gestellt haben und Schnittchen reichen. Herzlichen Glückwunsch, wozu auch immer.
Eine dicke Taube bringt die Fichtenspitze zum Schwingen. Ein weißer Lieferwagen rauscht hinweg. Weiße Lieferwagen sind immer verdächtig. Bei Aktenzeichen XY fuhren die Täter immer weiße Lieferwagen. Die Frau kommt zurück, ohne Blumenstrauß. Nein, sie war nicht gratulieren, nicht wirklich. Sie war auf dem Friedhof, natürlich, hinter den hohen Fichten liegt man tief. Kein Sekt, keine Schnittchen wird es dort geben. Schwarz ist sie gekleidet. Die dicke Taube hebt ab, die Fichte sieht dankbar aus. Die Blumen der Frau sehen bestimmt schön aus.
Die Spatzen sind fort. Zwei schwarze Elstern halten die eine Birke nun besetzt. Beide haben den Kopf nach rechts gedreht. Sie schauen nach rechts und es sieht aus, als würden sie sich über das Gesehene unterhalten.
Guck ma, da unten hinter dem Fenster.
Was ist denn da?
Da, da in dem Plüschsessel…

Es war als hätt der Himmel die Erde still geküsst…

Ein Heimkommen, die vielen Kisten, die lange Fahrt, die Gedanken der Rückkehr, endlose Müdigkeit, schmerzende Hände, verschwommen im Rückspiegel die Lichter der Metropole, am Horizont der Wald, der Wald der Kindheit, der Jugend, der sonstigen Verklärung auch, ja, man reist nicht zurück, nein, die Gedanken gehen vorwärts, rückwärts kann man nicht denken. Erinnerungen, ja gewiss, viele, viele, gute und schlechte, hier wie dort, aber Erinnerungen an ein Heimkommen gibt es nicht. Als sei ich noch nie heimgekommen, alles fühlt sich neu an, doch vertraut, aber auch fremd, fremd und vertraut, falls das geht, Wirrwarr überall, auch in den Kisten, in den Räumen, im Kopf. Wo ist das Herz? Sternenklar ist der Himmel, beugt sich hinab mit seiner klirrenden Kälte, ein schneeweißer Kuss lässt das Herz aufflammen, wie schön doch die Heimat ist, denkt sie und denkt im gleichen Moment, du spinnst.
Ein Heimkommen, ein Ankommen, ein Wegkommen, zurück lässt man nur Spinnweben, der Staub der letzten Jahre hängt noch an den Möbel, man muss aufpassen, damit er sich nicht wieder breit macht, Wischlappen wischen die Vergangenheit weg, alles blitzblank, blitzblanke Illusionen, wie schön doch die Heimat ist, denkt sie und denkt im gleichen Moment, du spinnst. Und dann ist es da, das Rauschen der Bäume, die überall sind, vorne und hinten und neben dem Haus, man wohnt ja am Wald, mächtiges Rauschen, mächtig viele Bäume, am Wald hat man noch nie gewohnt, das ist neu, neu am Heimkommen, und gut ist es auch, ein Wald in der Nähe ist Kindheit, ist das beste, was man haben kann. Menschen ohne Wald sind Menschen ohne Wald, nur die Lichter im Rückspiegel, dann sind sie verschwunden, ein Seufzer bleibt bei Ihnen. Wo ist das Herz? Es muss nun träumen von Ihnen, Träume sind Schäume, Schönes wird daraus geboren, Sprüche sind zuhauf auf die gefrorene Erde gefallen, zersprungen an scharfen Kanten, zersplittert, oder einfach aus den zu schwer gepackten Kisten gefallen, natürlich trifft es nur das gute Porzellan, drei Teller für einen Umzug, das geht. Aber immer trifft es nur das gute Porzellan, und wenn es kaputt ist, merkt man, was man verloren hat, da hilft kein Kleben mit Tränen, da hilft kein sehnsuchtsvolles Zurückblicken auf den gedeckten Tisch. Wer hat zuletzt davon gegessen? Es waren Freunde. Die Vokabel schmerzt. Wo ist das Herz? Fern der Heimat und doch so nah. Rückwärts kann man nicht denken, aber fühlen, fühlen kann man in alle Richtungen, kreuz und quer, und dann möchte man die übrig gebliebenen Teller auch noch wegschmeißen, damit sie nicht mehr alleine sind.
Ein Heimkommen, kein Fortkommen, ein Flug ins Ungewisse, die nächtliche Stille bringt ein plötzliches Erwachen, da müsste doch was gewesen sein, mindestens ein Auto, ein Flugzeug, ein paar lärmende Menschen, doch da ist nichts, nur Stille, es ist wirklich still. Dann kann man wieder beruhigt schlafen und träumen und die Flügel ausspannen in diesem stillen Land. Doch die Seele, die Seele, die fliegt immer noch weit weg, nachts, ganz heimlich, da fliegt sie zurück und guckt, wie eine Mutter nach ihren Kindern, ob alle schlafen, obwohl man ja weiß, dass alle schlafen, dass alles ist wie immer, dass alles weiter läuft wie gewohnt, aber die Seele fliegt zurück und bleibt noch lange dort, dort, wo das Herz ist.