FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und wartet auf den 1. April.
Monthly Archive for März, 2009
FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und schaut raus. Siebzehn Jahre Rhein-Main-Gebiet und sie hatte ganz vergessen, was Regen ist. Sieben Wochen Ostwestfalen und sie weiß, was Nimbostratus, Pannus und Cumulonimbus sind. Damit der Ostwestfale nicht anfängt, dieses Wetter langweilig zu finden, braucht er unbedingt die verschiedenen Begriffe. Kleinste Veränderungen in der Wolkendecke zaubern dem Ostwestfalen gerne ein Lächeln in die sonst versteinerten Mundwinkeln. Sobald das Grau am Himmel eine Färbung annimmt, die andernorts ein Gewitter vermuten lassen, sagt er: “Oh, die Sonne kommt raus.” Ja, wettertechnisch gesehen ist der Ostwestfalen Optimist. Es sichert ihm das Überleben.
Besucher sind da häufig irritiert.
“Wie? Bei dem Wetter willst Du spazieren gehen?”
“Ja, warum denn nicht? Das bisschen Nimbostratus, das ist doch nicht so wild.”
Und schon marschiert er los. Komischerweise wird der Ostwestfale auch nicht nass. Seine Haut scheint eine Art Teflonbeschichtung oder GoreTex-Etikett zu besitzen. Nach einem zweistündigen Spaziergang taucht er wieder auf und sieht mitunter sogar leicht gebräunt aus.
Unserer FrauvonWelt scheint diese Beschichtung in den vergangenen siebzehn Jahren abhanden gekommen zu sein. Schon vom endlosen Hinausschauen in den Regen wird sie nass. Ihre Kleidung trieft und die Frisur sieht bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit aus wie das Fell eines Pudels.
Und wer je im Sommer nach Paderborn reist, man munkelt, dass es in absehbarer Zeit ganze Heerscharen tun sollen, sollte den Satz eines Freundes beherzigen: “Mein schlimmster Winter: der Sommer in Paderborn.”
FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und kramt alte Fotos durch. Na ja, so alt nun auch wieder nicht, aber immerhin aus einer anderen Welt: aus Wiesbaden. Mitunter denkt sie noch an dieses mondäne Städtchen, in deren ziemlicher Nähe sie die vergangenen siebzehn Jahre verbracht hat, zurück. Bei einem ihrer letzten Stadtbummel dort, entdeckte sie ein Kleinod besonderer Güte, um genauer zu sein, besonders plüschiger Güte.
Sollte jemals irgendjemand auf die Idee kommen, FrauvonWelt ein Denkmal zu setzen, dann bitte nur als Plüschteddy.
Wenn ein Künstler aus FrauvonWelts alter Heimat in FrauvonWelts neue Heimat reist, um mit einem anderen Künstler ein gemeinsames Kunstwerk zu schaffen, so geschehen am 5. März im besten Restaurant, was Ostwestfalen derzeit zu bieten hat, dann wird es lecker:
Elmar Simon, Sternekoch und Inhaber des Restaurant Balthasar in Paderborn, und Gunter Künstler, nicht weniger dekorierter Winzer aus Hochheim am Main, reichten sich die Hände zum westfälisch-hessischen Tet-a-tet und schufen ein Feuerwerk des Genusses, wie FrauvonWelt selten eines erlebt hat.
Und am 11. April feiert man im Restaurant Balthasar das Ende der Fastenzeit. Wird Zeit, dass FrauvonWelt endlich anfängt.
FrauvonWelt hängt in ihrem rosa Plüschsessel und glaubt an eine Verschwörung. Die Dinge, die ihr in den letzten Wochen passiert, begegnet oder sonstwas sind, sind allesamt unterirdisch und vor allem eines: zuviel!
Erst das Rudel superdämlicher Handwerker, die ihr den Keller unter Wasser setzten, dann eine dusselige Versicherungsschnepfe, die Digitaloriginale haben will, nebenbei läuft eine IKEA-ich-reiß-mir-die-Haare-aus-Geschichte, die an Unverschämtheit kaum zu überbieten ist, wogegen man die Unverfrorenheit eines Erfurter Umzugunternehmers, der gerade den VHS-Kurs “Ihr gutes Recht” absolviert hatte, getrost vergessen kann. Während all diese Dinge geschehen und FrauvonWelts Lebenszeit extrem verkürzen und im doppelten Tempo ihre Nervenstränge extrem verlängern, setzt sich ein Schlänger Rentnerlein in sein kleines Gefährt, denkt noch, was für ein schöner Tag, beachtet weder Verkehrszeichen noch Straßenkreuzungen, denkt vielleicht noch mal, wahrhaft ein schöner Tag, und wird in dieser euphorischen Stimmung urplötzlich durch ein anderes Gefährt gebremst.
Nachdem FrauvonWelt aus ihrem Schrotthaufen gekrabbelt war, hörte sie das Rentnerlein nur sachte brabbeln: “Ich hab Sie einfach nicht gesehen!”
Nun hängt also FrauvonWelt in ihrem Plüschsessel und alles tut weh. Frau Doktor hat ihre durcheinandergerippten Wirbel wieder in Stellung gebracht, ihren traumageschleuderten Schädel begutachtet, die drei Kilometer lange Spritze gezückt und zugestochen. Aua!
An Verständnis, dass FrauvonWelt nach dem Besuch der Arztpraxis und der darin erlittenen Torturen dringend das nahe gelegene Schuhgeschäft aufsuchen musste, wird es niemandem mangeln. Auch die Verkäuferin war sehr verständnisvoll und hilfsbereit.
FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und liest ein Schreiben von der Versicherung mit den drei großen Buchstaben. “Sehr geehrte Blablablubb… zur weiteren Bearbeitung benötigen wir noch die Fotos im Original vom beschädigten Fahrzeug. Mit freundlichen Grüßen…”
Was war geschehen? Ein Blechschaden. Ärgerlich, aber nicht dramatisch. FrauvonWelt hat alles fein säuberlich dokumentiert und fotografiert, digital natürlich. Die Fotos hat sie per E-Mail an die gute Dame von der Versicherung geschickt. Und nun? Nun schreibt diese Dame einen Brief und will die Originalfotos.
…
… sondern bei FrauvonWelt vor der Haustür. Na, also. Kaum ist FrauvonWelt wieder in Ostwestfalen, schon hält auch die Kultur hier Einzug. Manch einer munkelt auch, das Spektakel werde nicht wegen FrauvonWelt gemacht, sondern wegen Hermann. Dieser Hermann hat vor 2000 Jahren ein paar Römer verkeilt und deswegen hat man ihm auch noch ein Denkmal gesetzt. Nun gut, denkt sich FrauvonWelt, mir soll es recht sein. Egal warum, immerhin hat sie sich so die Reise nach Bayreuth gespart. Ein Blick ins Programm
Das Rheingold
Sonntag, 15. März 2009, 19.30 Uhr, ca. 2,5 Stunden
Die Walküre
Sonntag, 24. Mai 2009, 18.00 Uhr, ca. 4,5 Stunden
Siegfried
Sonntag, 8. November 2009, 17.00 Uhr, ca. 4,5 Stunden
Götterdämmerung
Sonntag, 15. November 2009, 17.00 Uhr, ca. 5 Stunden
belehrt den Karteninhaber, dass die Sitzfleischbeanspruchung hoch sein wird. Endlich mal eine Sportart, die man ganz entspannt am Schreibtisch trainieren kann. FrauvonWelt wird berichten - vom Training, vom Wettkampf und von der anschließenden Reha.











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