FrauvonWelt wirbelt durch die Welt, die sie sich selbst geschaffen hat, und findet nicht die richtige Richtung. Überall flattern rosafarbene Pfeile rum, der eine zeigt hier hin, der andere dort hin, ein dritter weist den Weg zurück, ein vierter zeigt nach oben, ein fünfter nach unten, bei Pfeil sechs bis 180 kann FrauvonWelt keine Richtung ausmachen. Ihre Haare zeigen in nicht weniger Richtungen als die Pfeile, ihre Haut hat rote Flecken, die Finger sind vom Ruhezustand Lichtgeschwindigkeiten entfernt. Die Gedanken flitzen durch die wenige Zeit, die noch bleibt. Kurzum, FrauvonWelt ist total verplüscht.
Derweil sonnt sich die Hauptstadt in den späten Strahlen des ausklingenden Sommers, erfreut sich an der sanften Wärme und schickt ein laues Lüftchen hinaus zum Straßenkehren. Die Menschen gehen ihren gewohnten Gang, rauchen gewohnheitsmäßig ihre Zigaretten und reden freundlich nebeneinander her. Harmonie in den Gassen, möchte man meinen. Wäre da nicht ein kleines, verstobenes Häuschen inmitten himmelwärtsragender Großstadtbauten, an dem keine, aber auch wirklich nicht die kleinste Taube zu sehen ist. Selbst die Hunde machen um dieses Gemäuer einen weiten Bogen. Es geht die Sage um, hier wohne ein Pferdebeißer, der seltsame Dinge mit alten Frauen macht. Ein dumpfes Klopfen dringt durch die Gassen.
FrauvonWelt versucht ihren Schrankkoffer aus dem Keller zu zerren. Er passt nicht durch die Tür. Aber irgendwie muss das Ding doch da hinein gekommen sein? Vielleicht hochkant. Passt. Ab damit ins Schlafzimmer. Daunenfedern stoben wild durch die Luft. Kleiderschrank auf, Schrankkoffer auf, Inhalt tauschen. Mit einem jähen Aufschrei sinkt FrauvonWelt aufs Bett. Einer dieser bösartigen rosafarbenen Pfeile hatte sie getroffen.
Auch in dem Hauptstadthaus ohne Tauben ein Schrankkoffer. Im Schrankkoffer hockt ein Mann. Davor steht eine Frau mit Bananenrock. Sie ruft, komm raus. Aber er will nicht. Sie ruft noch einmal, komm raus. Er will immer noch nicht. Sie fragt, warum kommst du nicht raus? Er sagt, FrauvonWelt kommt in die Hauptstadt. Sie sagt, na und, deswegen musst du doch nicht im Schrankkoffer hocken. Er sagt, doch, dass ist der einzige Ort, wo sie mich nicht finden wird. Sie fragt, aber warum sollte sie dich denn überhaupt suchen? Er sagt, die Frage war gemein.
Eine gemeine Daune segelt durch die Schlafzimmerluft und landet auf FrauvonWelts Nase. Die rosafarbenen Pfeile sind verschwunden. Der Schrankkoffer steht unverschlossen vor dem Fenster. FrauvonWelt niest, erhebt sich, die Sinne ganz klar räumt sie den Schrankkoffer wieder leer, hockt sich hinein und zieht die Tür von innen zu.
“6 Herrengedecke und ein Sessel aus Plüsch” - die unausweichliche Blogrevue am 19.09.2009 um 19 Uhr im Soupanova in Berlin. Es werden dabei sein: der.grob, MC Winkel, Erdge Schoss, Viktor Vaudeville, les 3roberts und zwei Überraschungsschrankkoffer.
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