Susi hämmerte wie blöd an die Türe: „Mach auf. Lass mich rein.“
FrauvonWelt, die gerade aus dem Bad kam, stürzte zur Tür und wurde von ihrer panischen Freundin fast überrannt. „Wer hat dich denn gebissen?“
„Gebissen? Mich hat keiner gebissen. Aber ich könnte jemanden beißen.“ Susi ließ sich ins rosa Plüsch fallen und fing an zu heulen. FrauvonWelt griff zur Pfanne. „Spiegelei?“, fragte sie nur.
„Drei.“ gab Susi schluchzend zurück.
„Ohje, so schlimm?“
„Ich hab Schluss gemacht. Ich hab ihm gesagt, er solle aus meinem Leben verschwinden.“ Susi wurde wieder wütend und fing an in der Küche hin und her zu laufen und lautstark zu schimpfen.
„Herzlichen Glückwunsch, meine Liebe, klingt nach einem Glückstag. Nun setzt dich wieder hin. Hier, iss die Eier und dann erzähl.“
FrauvonWelt waren derartige Attacken und Anfälle ihrer Katastrophenfreundin Susi längst zur Gewohnheit geworden. Seit dem sie sich vor ewigen Jahren beim Frisör zum ersten Mal über den Weg gelaufen waren, gab es keine Woche, in der bei Susi nicht mindestens einmal die Welt und damit ihr Leben unterging.
Ja, sie hatte ein Problem. Ein ernstes. Es war zweiundvierzig Jahre alt und hieß Oliver. Oliver war Rechtsanwalt und auch sonst hatte er in seinem Leben noch keinen geraden Satz hervor gebracht. Susi und Oliver führten seit zwei Jahren so etwas wie eine offene Streitbeziehung. Der Anfang war im wahrsten Sinne des Wortes rosig, es gab keinen Abend, an dem Oliver seine Angebetete nicht mit roten Rosen bedeckte und ihr auf Knien für ihr Dasein dankte. Nach drei Monaten blieben die Rosen aus und die Streitereien fingen an. Oliver war krankhaft eifersüchtig. Auf so ziemlich alles. Vor allen Dingen auf FrauvonWelt. Das ging so weit, dass er durchdrehte, wenn Susi mit FrauvonWelt telefonierte und ihr Sachen erzählte, die er nicht wusste oder erst als Zweiter zu hören bekam. Wenn es nach ihm ging, und das ging es seiner Meinung nach immer, sollte Susi überhaupt nur noch mit ihm reden. FrauvonWelt machte irgendwann den Vorschlag, Susi solle ihn doch mal einen ganzen Tag lang mit Frauenthemen zuquatschen, mal sehen, ob er dann immer noch Erster sein wolle.
Susi und FrauvonWelt sammelten also eine komplette Bibliothek an Fachwissen über Slipeinlagen, Menstruationsbeschwerden, Absatzhöhen in Hollywood, Strickbikinis, Schwangerschaften bei den Royals, Eigentumswohnungen in Paris, Promi-Hochzeiten und Diätpläne. Kurzum, Susi quasselte los. Den ganzen Unrat an Buchstaben kippte sie in seine Ohren, mehr noch, sie stocherte noch nach, quetschte alles hinein, was ein Mann nie und nimmer über Frauen und ihre hochheiligen Angelegenheiten wissen möchte. Doch Oliver war glücklich. Ganz Anwalt ging er auf alles, was Susi ihm vorlog, wohlwollend ein, nahm seine Susi in die Arme und hätte ihr wohl auch versprochen, mit ihr am nächsten Tag Slipeinlagen einzukaufen, wenn Susi ihm nicht stolz den Inhalt einer Drogeriemarkttüte gezeigt hätte, natürlich nicht ohne zu versäumen, ihm die Details von Cellulitis und Blondierer zu offenbaren. Es half nichts, Oliver wollte Erster sein und Einziger. Er konnte nicht verstehen, warum Susi noch eine beste Freundin braucht, zudem noch eine, die ihn nicht ausstehen konnte, alles besser wusste und mit Susi dorthin ging, wo andere Männer waren.
Susi hingegen stand fest zu ihrer Freundin, allerdings auch zu Oliver, was FrauvonWelt wiederum gar nicht verstehen konnte. „Schick ihn endlich in die Wüste, diesen Obertrottel.“ Was Susi aber nicht tat. Warum sie es nicht tat, wird für FrauvonWelt wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Okay, er sah gut aus, verdiente aus unerklärlichen Gründen mit dem Beruf, den er gar nicht konnte, auch noch viel Geld und er war mit einigen Ausnahmen auch durchaus charmant. Irgendwann sagte Susi einmal, er wäre ein super Ersatzpapa für Bastian. Der zweijährige Rotzlöffel war zugegeben nicht gerade ein einfaches Kind. Aber einfache Kinder gibt es heute sowieso nicht mehr. Kurzum, für FrauvonWelt gab es keinen Grund für so einen Mann. Keinen.
….
Oder wird sie jetzt einen erfahren? Wird Susi ihre Entscheidung rückgängig machen? Werden Susis Tränen trocknen. Und: Hat FrauvonWelt jetzt noch Eier im Haus?
….




Liebe FrauvonWelt,
Humphrey Bogart sagte einst:
“Frauen, die immer ein Auge zudrücken, tun es am Ende nur, um zu zielen.”
Sehr weitsichtig, wie ich finde.
Respekt.
f.c.
Ich bin entsetzt, liebe FrauvonWelt. Ich dachte ich wäre Ihre einzige Affäre und jetzt so ein Vertrauensbruch.
Jetzt bin ich wirklich sehr gespannt auf die Fortsetzung!
naja. manche frauen brauchen unbedingt nen kerl der sie regelmäßig verkloppt. da ist der depp von susi doch noch ganz gute wahl, oder?
so eine susi hatte ich auch mal. dann hab ich sie in die wüste geschickt. seit dem kommt ihr freund immer zu mir, um sich auszuheulen und mir alle möglichen frauenstories zu erzählen. wo er welches 2 in 1 t-shirt entdeckt hat, welche mascara er sich zugelegt hat und natürlich bringt er jedes mal einen neuen flacon mit seinen neuesten parfum-errungenschaften mit. ich glaube, ihn schicke ich auch bald in die wüste. zu susi.
Oh Gott wie tragisch, liebe Frau von Welt! Hatten Sie denn wirklich keinen Bacon im Haus? ^^
ihgitt. eifersüchtige männer - das ist ja ganz schlimm! die muss immer sofort wieder zu mutti unter’s dach zurückschicken!
Interessant… Ich muss irgendwie über die Anzahl der in die Pfanne gehauenen Eier nachdenken… Warum drei?
Herr Bogart, liebe Lady Cinderella, war ein Dummkopf. Wir Frauen sind doch alle Engel!!!
Sie sollen auch nicht denken, lieber Herr Kaal, das war nicht ausgemacht. Denkende Affären sind Spielverderber.
Ich auch, liebe Frau Vivaldi, ich hab nämlich noch keine Ahnung, wie es weiter geht.
Sie hauen da aber wieder Weisheiten raus, bester Herr Maak. Sie heißen nicht zufällig mit Zweitnamen Oliver?
Und er kommt wirklich nur, um sich auszuheulen, liebe Lady Pssst? Vielleicht verstehen Sie dieses ganze Mascara-Gebabbel ganz falsch.
Die Metzgerstochter, lieber Herr Schmidt, hat immer Bacon im Haus. Aber der passt nicht zu jeder Gelegenheit. Für Sie würde ich natürlich den hauseigenen…
Was, liebe Lady Zoee, wenn die Mutter die Minderqualitäten ihres Sohnes auch schon entdeckt hat und die Türe zu lässt?
Susi, werter Herr roesich, isst immer drei, wenn es ganz schlimm kommt. Ich glaube, daran sind ihre besten Freundinnen schuld, unter anderem ich.
Herzlich und am Schinken knabbernd
Ihre FrauvonWelt
Irgendwie war ich wohl in der Schwangerschaft stecken geblieben und nun ist das Kind schon 2 Jahre alt… Geld, immer wieder ein Grund warum Frauen ziemlich merkwürdige Männer heiraten. Je älter ich werde, desto mehr denke ich mir, dass das doch ganz praktisch wäre. Denn irgendwie sind alle netten Männer gleich nett und wenn nett plus Geld, warum nicht? Meine Mama wäre zufrieden, mein Papa wäre zufrieden, mein Bankkonto wäre zufrieden… Nein. Ich bin leider nicht doof genug dazu. Nicht dass ich Susi doof fände, nein, sie hat ein Kind, das ändert sowieso alles im Leben. Sie wird wohl zu ihm zurückkehren. Und Sie werden ihr auch weiterhin Spiegeleier braten.
nein, chnübli, WIR lassen uns nicht so einfach kaufen! du nicht, ich auch nicht! nicht des geldes wegen! (bei mir wären dann auch alle zufrieden, aber sch*iß drauf, wenn ich nicht zufrieden bin!)
frauvonwelt, wie soll ich es denn interpretieren??? als anmachversuch?? *glotz* (ich weiß ja, wozu männer im stande sind, aber meinen sie wirklich?)
Ist das eine Einladung, liebe Frau von Welt? ^^
Liebe FrauvonWelt, natürlich sind wir das!!! Engel!!! Die lassen sich aber auch nicht alles gefallen. Schwuppdiwupp sind manche aus allen Wolken gefallen!!!
Jaahaaa,
f.c.
Ja was denn nun, werte FrauvonWelt, was ist denn nun mit Susi und mein Gott haben Sie jetzt noch Eier im Haus? So kann ich doch niemals schlafen gehen.
Herzlichst und auf das erstmal ein Schnäpschen
Ihre DiVa
Schnäpschen, werte Lady Diva, ist eine hervorragende Idee.
Zum Wohl,
auf Eier mit Bacon,
f.c.
Hm, ich sollte vielleicht ein paar Eier kaufen. Dann könnte ich auch solche Geschichten erleben.
Sagen Sie, liebe FrauvonWelt, sind Sie mit in die Wüste gegangen oder haben Sie gar, ganz unbejammert, Ihren bezaubernden Kopf in den Sand gesteckt?
Herzlich und erraten,
f.c.
Nicht in den Sand, liebe Lady Cinderella, ins Mangoeis. Ich habe ein Mangoeis entdeckt, hach, da kommen Sie nicht wieder raus, wenn Sie erst einmal drin stecken.
Herzlich und eiskalt
Ihre FrauvonWelt
da fehlt nun wirklich kein klischee, in dieser gar nicht so sehr originellen schwesterlichen soli-story.
eines beruhigt mich dann aber doch sehr: die stelle mit dem beruf, den er nicht konnte.
also dann doch kein anwalt. ich bin erleichtert