FrauvonWelt auf dem Dorfe

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und betrachtet die neue Welt da draußen vor ihrem Fenster. Drei Birken sieht sie, dahinter recken sich Fichten in den graublauen Himmel. Heute rühren sie sich nicht. Windstille. Zwei, drei Spatzen springen durch die noch kahlen Birkenäste. In der Ferne ein Stromkasten. Grau, daneben etwas Grünes. Eine kleine Rasenfläche, eine Bank, ein Mülleimer. Warum stellt man die Mülleimer immer direkt neben die Bänke?
Ein paar Häuser, ein Holzbalkon, sogar eine schicke Hütte hat man im Garten. Eine Frau mit Regenschirm durchbricht den Blick auf den weißen Gartenzaun. Alte Straßenlaternen, jetzt leuchten sie nicht, aber abends sehen sie sehr schön aus, sie machen ein warmes, weiches Licht. Das Licht jetzt ist blaugrau. Das heißt es ist grau, aber es hat schon etwas Blaues in sich. Die Sonne wird kommen. Ein Auto fährt vorbei. Es ist das erste in dieser halben Stunde. Am Straßenrand warten die letzten Schneereste auf die wässrige Fahrt in den Gulli. Er hat sich hier lange gehalten, der Schnee. Die Schneeberge waren hoch. Eine Frau mit einem Blumenstrauß, ja, es ist gleich elf Uhr, um elf Uhr geht man gratulieren. Der Gastgeber wird den Sekt kalt gestellt haben und Schnittchen reichen. Herzlichen Glückwunsch, wozu auch immer.
Eine dicke Taube bringt die Fichtenspitze zum Schwingen. Ein weißer Lieferwagen rauscht hinweg. Weiße Lieferwagen sind immer verdächtig. Bei Aktenzeichen XY fuhren die Täter immer weiße Lieferwagen. Die Frau kommt zurück, ohne Blumenstrauß. Nein, sie war nicht gratulieren, nicht wirklich. Sie war auf dem Friedhof, natürlich, hinter den hohen Fichten liegt man tief. Kein Sekt, keine Schnittchen wird es dort geben. Schwarz ist sie gekleidet. Die dicke Taube hebt ab, die Fichte sieht dankbar aus. Die Blumen der Frau sehen bestimmt schön aus.
Die Spatzen sind fort. Zwei schwarze Elstern halten die eine Birke nun besetzt. Beide haben den Kopf nach rechts gedreht. Sie schauen nach rechts und es sieht aus, als würden sie sich über das Gesehene unterhalten.
Guck ma, da unten hinter dem Fenster.
Was ist denn da?
Da, da in dem Plüschsessel…

15 thoughts on “FrauvonWelt auf dem Dorfe

  1. Danke, liebe Johanna, dass Sie mich nicht verraten. Ich weiß nicht, was diese Vögel mit mir gemacht hätten.

    Natürlich fasse ich hier Fuß, liebe Frau Weltwissen. Hier gibt es ein erstklassiges Schuhgeschäft.

    Vielen Dank, bester Freund Donkys, derzeit ist die gesamte Kulisse auch noch zugeschneit. Auch sehr hübsch.

    Herzlich und eingeschneit
    Ihre FrauvonWelt

  2. Ich wußte gar nicht, werte Frau von Welt, dass Sie solch eine leidenschaftliche und talentierte Ornithologin sind. Da habe ich wohl noch einiges über Sie zu lernen…

  3. Falls Sie heraus finden, warum die Mülleimer neben den Bänken stehen, geben Sie mir bitte Bescheid. Mich stören auch immer die Nähe der dämmernden Senioren, wenn ich nach etwas Essbarem suche.

  4. Man kriegt das Land nicht aus dem Leben aber das Leben aus dem Land. Das werte FrauvonWelt, hat meine werte Frau Mama immer zu sagen gepflegt. Jetzt kann ich Sie eines besseren belehren, dank dafür.

    Herzlichst und vom Land

    Ihre DiVa

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