Ein heiter funktionierendes Hirn

Da FrauvonWelt gerade so schön dabei ist, sich über die Welt, die Menschen und deren Arbeitsstätten zu amüsieren, nun auch noch das Thema Emanzipation. FrauvonWelt sitzt wie gewohnt in ihrem rosa Plüschsessel, die Beine baumeln über der Lehne, in den Händen hält sie ein Buch. Ein bisschen schämt sie sich für dieses Buch: Julia und Maya Onken: Hilfe, ich bin eine emanzipierte Mutter. Ein Streitgespräch zwischen Mutter und Tocher.
Beste Ausrede, die FrauvonWelt dafür finden kann, dass das Buch in ihre Hände gelangen konnte: Meine Mutter hat es mir gegeben und darum gebeten, dass ich es lese.
FrauvonWelt, ganz die folgsame Tochter, liest und liest und denkt wie so oft: Schon erstaunlich, was man heute so alles zwischen bei Buchdeckel presst! Auf Seite 138 dann endlich die Erlösung, nein, nicht das Ende, aber endlich ein paar Zeilen, die Spaß machen. Vorweg: Mutter und Tochter befinden sich im Briefwechsel, die Tochter beklagt sich, dass Männer immer noch mehr verdienen als Frauen in gleichen Positionen. Die Mutter dazu:
„Zudem steckt grundsätzlich in der Frage nach der Entlohnung einer Arbeit eine Falle, in die viele hinein tappen. Da ist einmal die zu leistende Arbeit, für die wir bezahlt werden – Männer erhalten mehr als Frauen. Wenn wir den Gegenwert für die Arbeit ausschließlich monetär betrachten, dann sind wir die Verliererinnen. Gehen wir aber davon aus, das jedes Arbeitsfeld darüber hinaus eine Erweiterung der Fähigkeiten und die damit verbundene Lust und Freude beinhaltet, dann sieht die Sache anders aus. Und wenn ich mir Männer und Frauen so ansehe, muss ich einfach sagen, viele Frauen sind grundsätzlich besser drauf. Sie haben ihr Arbeitslernfeld derart Gewinn bringend bewirtschaftet, das es ein wahres Vergnügen ist. Das Kapital liegt letztlich nicht auf dem Konto, sondern im Herz und in einem heiter funktionierenden Hirn.“

Zapperlott, es gibt wirklich Argumente, meine Güte, da wäre FrauvonWelt nie drauf gekommen. Nun muss man nur noch das gesamte Wirtschaftssystem darauf einstellen und gut ist. FrauvonWelt marschiert dann in die Autowerkstatt mit den Worten: „Bezahlen kann ich das nicht, aber schaut her, ich habe ein heiter funktionierendes Hirn!“
Woraufhin die männliche Belegschaft, die grundsätzlich scheiße drauf ist, antwortet: „Boh, guckt mal, die Frau da hat ein heiter funktionierendes Hirn. Toll ey. Die braucht hier nicht zu bezahlen.“

FrauvonWelt schwingt die Beine von der Lehne und schmeißt das Buch auf den Tisch. Was will mir meine Mutter jetzt damit sagen? Vielleicht: „Kind, guck mal, was für dämliche Bücher heute geschrieben werden. Schreib endlich bessere.“
„Ja, Mama, mach ich, Mama, sofort, Mama, aber erst muss ich noch doch noch die Rechnung von der Autowerkstatt… ”

Ausreden, nichts als Ausreden.

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8 Responses to Ein heiter funktionierendes Hirn

  1. Herr Olsen says:

    Und auch da sieht man wieder: Was sind schon funktionierende Stoßdämpfer gegen ein heiter funktionierendes Hirn?
    Auf sowas legt doch nur ein Mann wert… und der TÜV.

  2. frauvonwelt says:

    Der TÜV, lieber Herr Olsen, ist ja auch ein Mann. Und wenn Männer endlich auch mal lernen würden, Ihre Arbeitsfelder gewinnbringend zu beackern, dann würden sie unkaputtbare Stoßdämpfer entwickeln. Jawoll. Ach, ich seh schon wieder die Rehe am Strafraum…

    Herzlichst
    Ihre FrauvonWelt

  3. juf says:

    Ja, wer heute alles Bücher schreibt, es ist ein Graus. Aber genauso ein Graus ist ja, wer heute alles Autos repariert. Und ein Graus ist auch, wer heute alles Kommentare schreibt. Eigentlich ist es schon ein Graus, wer heute alles lebt.

  4. Ecki says:

    Ich könnt auch mal ein Buch schreiben. Das machen ja wirklich viele Menschen. Aber teilweise grausam wie juf schon schreibt.
    Der Ecki – seine Zeit als unbekannter Surfer
    das ist doch mal ein Buchtitel. Bin ich jetzt vom thema abgekommen?

  5. Tilla Pe says:

    Das mit dem Buch, verehrteste FrauvonWelt, das ist schon so eine Sache.
    Aber das heiter funktionierende Hirn, das kann ich durchaus bestätigen. Ich werde es die Tage gleich mal bei meinem Heizöllieferanten vorbeitragen – da lohnt sich das dieses Jahr so richtig! Wer braucht schon Stoßdämpfer!

  6. frauvonwelt says:

    Wie ich Sie kenne, bester Juf, haben Sie schon wieder einen Ihren unsagbar genialen Pläne in der Hinterhand, um all das zu ändern.

    Werter Herr Ecki, der Herr Juf schreibt wirklich ganz grausam, da gebe ich Ihnen recht. Ich brauche immer Stunden der Erholung, wenn ich seinen Blog besucht habe, das hält kein Normalsterblicher aus. Gehen Sie da bloß nicht hin. Bloß nicht.

    Recht haben Sie, liebe Tilla. Ich bin dennoch auf die Antwort des Heizöllieferanten gespannt. Hoffentlich kommt er Ihnen nicht mit einem lapidaren: Wer braucht schon Heizöl?

    Herzlichst
    Ihre FrauvonWelt

  7. Kaal says:

    Aber werte FrauvonWelt, unkaputtbare Stoßdämpfer. Das ist doch nun gar nicht monetär gewinnbringend betrachtet. Wenn Sie das der Werkstatt erzählen unterstellen die Ihnen eher ein heiteres aber nicht funktionierendes Hirn.

  8. frauvonwelt says:

    Nein, nein, werter Heer Kaal, meine Argumentation setzte ja voraus, dass auch Männer lernen ihre Arbeitsfelder derart gewinnbringend zu beackern, dass auch sie kein Geld zur Entlohnung brauchen, sondern sich mit Freude und Glücklichsein zufrieden geben. So wie wir Frauen halt. Und dann bräuchte es ja auch bald gar kein Geld mehr, und alle würden gerne arbeiten und teilen und sich lieb haben. Heile Welt halt. Heile Welt mit unkaputtbaren Stoßdämpfern.

    Hach, ich geh jetzt träumen.

    Herzlichst
    Ihre FrauvonWelt

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