Gitarrenklänge, Halsschmerzen und ein schwarzer Käfer

Samstagabend. FrauvonWelt schleppt sich in das vielleicht schönste Ambiente der nördlichen Hemisphäre, ins Kurshaus. Sie hat Halsschmerzen, egal. Sie hat keinen Termin mehr beim Frisör bekommen, egal. Sie muss Rolli tragen, egal. Sie steckt ihre Füßchen in ihre schwarzen Lieblingsstiefel, schon geht es ihr wieder gut.
Im Kurshaus die Graphin. Strahlend. Sie weiß noch nichts vom dem schwarzen Käfer. Womit einmal nicht Herr Schoss gemeint ist. Der ist zwar auch immer ganz schwarz, hat aber keine sechs Beine und krabbelt auch mitternächtlich nicht auf weißen Wänden entlang. Hat auch nicht die Absicht, sich mit Anlauf auf das Haupt der Graphin zu stürzen und sich dort für alle Ewigkeiten einzunisten. Hat der doch nicht, oder?
Derweil also der schwarze Käfer noch über die Route des Abends grübelt, füllt sich der Salon. Ein Star wird erwartet. Thomas Langer betritt das Terrain. Ganz unkompliziert, super charmant und irgendwie mittendrin. Er erzählt, er erklärt und dann überlässt er seinen Fingern die Zauberei. Die Magie der Klänge nimmt das Publikum sofort gefangen.

Musik zum Anfassen, hautnah, zum Miterleben: Ein Musiker, versunken in seine Musik, im Dialog mit seiner Gitarre. Das Publikum ist atemlos, still – und verzaubert. Leise, wie aus der Ferne, klingt die Variation des schwedischen Volkslieds aus und beschert unverhoffte Gänsehaut.

Da hält es auch der kleine Käfer nicht länger in seinem Versteck aus. Er will hoch hinaus, auch was sehen. Doch sein Vergnügen ist von kurzer Dauer. FrauvonWelt hat ihn entdeckt und seine Pläne hinsichtlich der wehrlosen Graphin sofort durchschaut. Siegessicher schnappt sie sich ein Tuch von der Küchenrolle und zögert nur kurz. Ein Blick auf die Graphin, vertieft im Gepräch mit Herr Schoss, gibt ihr Gewissheit: Sie muss es tun! Sie muss sie retten. Schnapp, grumbel, quetsch, fester quetsch. Beim letzten Quetsch schaut FrauvonWelt der Graphin, die inzwischen dem Tun FrauvonWelts gewahr wurde, tief in die Augen. „Acht Beine?“ fragt die Graphin. „Nein, nur sechs“, ist die Antwort, „sechs tote Beine.“ Erleichtert lächelt die Graphin.

langer1.jpg

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12 Responses to Gitarrenklänge, Halsschmerzen und ein schwarzer Käfer

  1. Sabine says:

    Ich werde Sie sofort für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen! Schwer krank, ohne anständige Frisur noch so eine Heldentat. Ich bin zutiefst verzückt!

  2. Pingback: erdgeschossrechts

  3. sudelbuch says:

    Ach. Herr Schoss krabbelt nicht mitternächtlich an Wänden entlang??? Herr Schoss, das hätte ich jetzt nicht von Ihnen gedacht. Andererseits, liebe FrauvonWelt … würde für Herrn Schoss ein Stück Küchenrolle ausreichen? … lästert la Graphin, immer noch atemlos entzückt hingerissen von der selbstlosen Rettungsaktion.

  4. Tilla says:

    Kafka.
    Bestimmt war Kafka im Spiel.
    Mist.
    Verpasst.

    Untröstlich,
    Tilla

  5. sudelbuch says:

    Stimmt – ein Gregor ist mir erinnerlich, werte Tilla. Der war aber nicht anwesend am Samstag.

  6. Erdge Schoss says:

    Exakt, liebe FrauvonWelt, hatte ich nicht, jedenfalls nicht vor Publikum.

    Auch wenn es Sie, liebes Fräulein Graphin, überraschen mag, krabble ich weder mitternächtlich noch tagsüber an Wänden entlang. In Ausnahmefällen geht es zwar immer an der Wand lang, im Idealfall aber auf zwei Beinen.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  7. sudelbuch says:

    Jaaaaaaaaaaaaaaaa, jaaaaaaaaaaaaaaaaaa, der Chiantiwein …… ups. Es war ein Franzose. Schwamm drüber.

  8. Westpfalz-Johnny says:

    Keinen Termin mehr beim Frisor?? Hatten Sie noch die 80er-Föni-Frisur drin?

  9. frauvonwelt says:

    Liebe Sabine,
    ich fühle mich so verstanden von Ihnen. Endlich mal jemand, der sieht, was ich geleistet habe. Danke.

    Liebe Graphin,
    Herr Schoss und Küchenrolle geht gar nicht. Da bräuchte es anderes Utensil, gewiss.

    Ja, liebe Tilla,
    verpasst. Aber der alte Franz hat mir versichert, er kommt beim nächsten Mal wieder. Gregor wird es dann wohl nicht mehr schaffen.

    Doch, liebe Graphin,
    war er. Sie haben ihn nicht erkannt. Er sah auch etwas anders aus als sonst, irgendwie verwandelt.

    Lieber Westpfalz-Johnny,
    nix Fön-Frisur. Zusammengetüddelt waren sie, das geht immer.

    Herzlich und gleich in Ohnmacht fallend
    Ihre FrauvonWelt

  10. Erdge Schoss says:

    Nie sah ich, liebe FrauvonWelt, schöner Zusammengetüddeltes.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  11. MC Winkel says:

    Ich hoffe, inzwischen geht es Ihnen wieder besser?

  12. Anna says:

    Liebe FrauvonWelt,
    Ihre Halsschmerzen machen mich ganz besorgt. Die hatten Sie doch erst neulich. Genau wie ich!
    *röchel

    Herzlich
    Ihre Anna

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