IKEA Bavaria

Antonia zieht nach München. Ilka und FrauvonWelt hinterher. Samstags, frühmorgens, mit Kaffee und Croissants im Magen, trägt sie der Asphalt ins Land der Bajuwaren. Antonias neue Wohnung ist himmelschreiend – oder entzückend, wie FrauvonWelt bei totaler Begeisterung zu sagen pflegt. Wenn nur dieses Durcheinander nicht wäre: diese meterhohen Kisten, diese Möbel kreuz und quer und diese IKEA-Kartonagen. Aber nein, es fehlte keine Schraube, kein Imbus, kein Garnichts – nicht mal ein Akkuschrauber war da. Nach zwei Stunden und fünf Kaffeestückchen stand das Monstrum.
Ein Zimmer der Wohnung wurde zur vorläufigen Rumpelkammer, die alle Kartons schlucken musste, erklärt. Wie ein Trickfilm im Schnelldurchlauf rannten die Mädels durch die Hallen und stellten alles an seinen Platz. Nach weiteren drei Stunden waren die Räumlichkeiten bewohnbar. Abends dann Spaghetti alle vongole. Antonias italienische Mama, die ebenfalls zugegen war, vollbrachte Meisterleistungen trotz fehlender Töpfe und Pfannen.

Sonntag Kirchgang. Beten und Büßen. Wer ohne Sünde war, traf sich auf dem sonnengetränkten Balkon zum Frühstück. Der blauweiße Himmel schaute neidvoll auf die frischen Backwaren, Alfonso aus dem Erdgeschoss auch. Ob die Damen am Mittag Lust hätten auf Fisch, die Frage. “Na klar, haben wir.”, war unisono die Antwort. Alfonso, der sich mit Antonia die Nationalität teilte, konnte ebenso gut kochen wie reden. Mit sechs Damen am Tisch, zwei davon seine, fühlte er sich wie die Kinder Israels.

Prosecco, Pasta, Scampi, gegrillte Dorade, Salate, Vino, Espresso und die köstlichste Ananas der nördlichen Hemisphäre – Alfonso schaffte sie alle sechs. Die Damen schleppten sich auf die Liegestühle, er schaute zufrieden in den Himmel, strich sich über sein wohlgerundetes Bäuchlein und fragte, ob er noch irgend jemandem etwas anbieten könne. Die Antwort verstarb auf dem Weg zu seinen Ohren.

Eine Stunde später waren FrauvonWelt und Ilka wieder bewegungsfähig und dachten sich nach Hause. Eine weitere Stunde später flogen sie dann wirklich. Schöan wars.

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One Response to IKEA Bavaria

  1. frauvonwelt says:

    Erdge Schoss / Website (16.4.07 23:17)
    Liebe FrauvonWelt, hingefahren, zurück geflogen, meine Verehrung: Sie tun es mondän.

    FrauvonWelt / Website (16.4.07 23:24)
    Lieber Herr Schoss, manchmal, nicht oft, wirklich nicht oft, überkommt mich das Bedürfnis, Sie aufzufordern, auch einmal einen Abflug zu versuchen.

    Erdge Schoss / Website (17.4.07 01:18)
    Liebe FrauvonWelt, welch garstiges Wort. Litten gestern die Abverkäufe, oder was beliebte zu klemmen? In aufrichtiger Sorge.
    Ihr Erdge Schoss

    Foxxi (17.4.07 08:54)
    nicht “der blauweiße Himmel” …. der weißblaue (!!!) Himmel.

    FrauvonWelt / Website (17.4.07 09:17)
    Danke lieber Ettore, immer gerne Ihre Schülerin.

    Dr. Walter Waßmuth (17.4.07 09:43)
    Sehr geehrte FrauvonWelt,
    ich persönlich gehe auch ganz gern in dieses schwedische Möbelhaus, um Dinge zu erwerben, die mal brauche und mal nicht. Jüngst zum Beispiel ließ ich mich tatsächlich dazu hinreißen, zwei dieser überaus preiswerten und doch ansehnlichen Gartenliegen zu kaufen. Und dass, obwohl wir gar keinen Garten besitzen, geschweige, einen am Haus hätten. Einen Balkon allerdings können wir schon unser Eigen nennen. Aber da passt nichts mehr drauf. So stehen die Liegen jetzt im Flur und warten auf ihre Verwendung. Ich könnte sie aber auch umtauschen, gesetzt der Fall, ich fände den Kassenbon wieder. Normalerweise lege ich so etwas akkurat ab. Aber in diesem Fall bin ich mir nicht so sicher. Und Sie waren also in München? Wie schön.
    Mit freundlichen Grüßen
    Walter Waßmuth

    massenpublikum / Website (17.4.07 10:51)
    Ich persönlich mag München ja nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Ihrer Erzählung nach habe ich aber nicht das Gefühl, dass Sie in München sondern vielmehr in Neapel waren.

    FrauvonWelt / Website (17.4.07 11:17)
    Genau das, liebes massenpublikum, ist ja das Schöne an München: Man glaubt sich immer ganz woanders.

    Ettore / Website (17.4.07 12:32)
    Och nee, liebe FrauvonWelt, als “Foxxi” würde ich mich nun nach reiflicher Prüfung wohl doch nicht bezeichnen. Da haben Sie den Völligfalschen der Postierung verdächtigt, gleichwohl ich natürlich höchst gerne höre, daß Sie stets gerne meine Schülerin sein mögen. Die Details können wir ja bei einem Stücklein Kaff versprechen.
    Aber dieser Sonntag im blauweissen Himmel: also an dem hätte ich auch gerne teilgenommen, gerade als Liebhaber dieser meditarranen Praktiken bis hinunter ans Mare zum Fisch aus hervorragenden Scampi- und Doradematerialien. Und überhaupt, diese bleierene Lässigkeit des Seins, die jene druntigen Dunkelbehaarten ja stets umlodert… hach ja.
    Aber ein Grappa hätt schon noch sein mögen, hm?

    massenpublikum / Website (17.4.07 13:54)
    Als ich in München war, wünschte ich mich jedes Mal an einen anderen Ort, aber ich wähnte mich schon jedes Mal in München. Leider.

    FrauvonWelt / Website (17.4.07 14:37)
    Ja, der Grappa, lieber Ettore, der wurde mir versagt, weil ich noch mein vierrädriges Flugzeug nach Hause lenken musste und, so meinten die noch anwesenden Damen, mein Blick nicht mehr der klarste sei. Papperlapapp.

    Wenn ich meine Schultasche nebst -röckchen gefunden habe, können Sie die Schulglocken läuten.

    herold / Website (17.4.07 18:31)
    arbeitseinsatz bei freunden befriedigt immer ungemein (und sei es auch nur den leib).

    FrauvonWelt / Website (18.4.07 09:39)
    Lieber Herold, im Garten stehen noch zwei Spaten, die seit Loukhoums Flucht (achherrje, das hab ich Ihnen noch gar nicht erzählt) unbenutzt sind. Wenn Sie sich revanchieren möchten – gerne.

    Ettore / Website (18.4.07 09:42)
    Ja mit dem Grappafahren, Gutegüte!, da fallen mir die Sünden meiner anderthalb wilden Jahre in München ein: oh je, wie oft liefen mir dieserhalb sieben, acht Mittelstreifen gleichzeitig von vorne her unters Fahrzeug – führten aber zur rückblickenden Verblüffung trotzdem meist nicht zur alkoholabususveranlassten Desorientierung. Diesbezüglich also, muß ich warnend sprechen, mahnend fast, wäre ich Ihnen ein außergewöhnlich schlechter Lehrherr, liebe geschätzte Frau Dr. VonWelt, wenn auch mit beachtlichen bacchantischen Qualitäten, die sich bis ins hohe Alter erhalten haben.
    Auf was Sie natürlich anspielen, soviel dringt durch meinen synaptischen Wirrwarr durchaus noch, das mit Ihrem Schulmädchenröckchen als Auslöser für mein Glockengeläut: ich bitte Sie, Liebe! Das sind doch Rollenspielchen für grüne Jungs. Gereifte, lebenserfahrene Menschen sollten sich der Realitäten doch immer noch bewusst sein, man bedenke bloss die alte Küstersweisheit, wonach im fortschreitenden Lebenskreise oftmals die Glocken länger sind, als das Seil…
    Aber sonst.

    P.S. Nebenbei bemerkt, dies aber nur nebenbei, quasi am Rande, aber immerhin noch leicht themenkonform, deshalb auch – nebenbei – noch angemerkt, empfinde ich die Selbstbefriedigungstechniken meines Vorredners, Herrn Plätt-Herold, eher als höchst abschreckend, wenn ich’s mir bildlich vorgestellt zu Ende durchüberlege.

    herold / Website (18.4.07 09:55)
    frauvonwelt, danke für Ihr freundliches angebot, aber herold ist nicht brad pitt.

    FrauvonWelt / Website (19.4.07 09:46)
    So langsam, lieber Ettore, machen Sie mir Angst mit Ihren Selbstbeschreibungen. Wenn ich all Ihre Worte in eine Form gieße, schaut mich nach herein ein Wesen an, das, wenn ich ihm nicht schon längst einen Splitter meines Herzens geschenkt hätte, mich wähnen ließe, ich sei die B-Besetzung in einem Splattermovie. Gell, lieber Ettore, Sie fressen mich nicht?

    Ettore / Website (19.4.07 14:47)
    NeinNein.

    Dazu scheinen Sie mir, liebe Keineswegs-Splattermoviebesetzte, vom Dentalstandpunkt aus betrachtet vieeel zu knackig.
    Was hätte ich nach dem ersten herzhaften Biß von einem schmatzenden “Hmjamm!”, wenn mich dabei der steckengebliebene Beißklapparatismus angrinsen würde? Und das noch, bevor ich mich wieder an meiner (s.o.) geliebten Notre Dame hochhangeln könnte….

    Gepustetes Handküsschen von den Türmen herab:
    Ihr Anthony Quinn-Schmitz

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