Schweinerei

FrauvonWelt sitzt in ihrem rosa Plüschsessel und badet ihre Füße in Kamillentee. Messegeschädigt auch der Rest des Körpers. Die IFFA in Frankfurt, selbstverständlich Pflichtprogramm für die MetzgerstochtervonWelt, ist schuld.

Auf dieser von Männern dominierten Fachmesse sind seltsamerweise auch die Messehostessen verschwunden. Einzig eine Gewürzfirma ließ noch ihre Scharfmacher von zwei langbeinigen Schönheiten verteilen. Sonst gab es Weibliches nur in eher zweifelhafter Anmutung:

FrauvonWelt ist schon vor etlichen Jahren von Mama und Papa durch die Messehallen dieser Welt geschleift worden. Die Ausbeute an Süßigkeiten und Souvenirs passte damals kaum in Papas Opel. An jedem Stand gab es Bonbons, Aufkleber, kleine Schweinchen, große Schweinchen, oder irgendwelche Leckereien.
Heute gibt es Kutter, Spülautomaten, Verpackungsmaschinen, Vakuumierer, und das alles in Überformat und Riesengrößen. In dieser Welt der industriellen Wurstproduktion kann man sich als kleines Würstchen schon etwas verloren vorkommen, und fragt sich dann auch: Wer will das eigentlich essen, dieses Zeug, was da mit den Riesenmaschinen und all den feinpulvrigen Zutaten aus der anderen Halle produziert wird? Denn dort in dieser anderen Halle gibt es Messestände, die sehen aus wie bessere Chemiestandorte. Eimerchen um Eimerchen fein säuberlich ins Regal gestellt. In dem einem ein Pülverchen zum Haltbarmachen, in dem anderen eins für die Farbe, dann noch eins für die Festigkeit, und eins für den Geschmack. Die große Frage “Wie mache ich Wasser schnittfest?” hat längst Beantwortung gefunden. Das Ergebnis liegt heute in den Supermarkttheken, ach was, längst auch in vielen Metzgereien. Lebensmitteltechnisch und hygienisch einwandfreie Produkte.

Doch der MetzgermeistervonWelt wendet sich ab und sagt: “Ach, Töchterchen, ich werde alt. Hier komme ich nicht mehr mit. Das ist nicht meine Welt. Wie gut, dass ich meine Kinder groß habe. Das Zeug hier würd ich denen nicht zu essen geben.”

Zorn mischt sich mit Ohnmacht. Die Konkurrenz hat Lagerregale, die bis an die Decken der Messehallen reichen und an denen vollautomatisch ein Wagen vor und zurück und rauf und runter saust und eine Kiste nach der anderen an Ort und Stelle bringt. Die Konkurrenz schlachtet 30.000 Schweine am Tag und produziert täglich Tonnen. Sie hat kilometerlange Fließbänder an denen osteuropäische Billigarbeiter stehen, und die Subventionen fließen in Millionenhöhe.

Früher wäre sie drauf gehüpft, auf das Schweinchen. Heute bleibt FrauvonWelt schmunzelnd davor stehen und hat mal wieder eine Idee.

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7 Responses to Schweinerei

  1. Meine beste Frau von Welt, da muss ich jetzt einmal von Herzen seufzen: “Puh…!” Fleisch und Wurst sind mein Lebenselexier. Schon als Kind habe ich lieber Bratwurst als Eis gegessen und nur mit der Aussicht auf eine solche war ich auf den Jahrmarkt zu locken.
    Dieser Bericht ist so desillusionierend, auch wenn alles hygienisch einwandfrei ist.
    Ich versuche gegenzusteuern, indem ich nur beim Schlachter an der Ecke einkaufe, den ich inzwischen aber auch im Verdacht habe, dass er im Großmarkt dazukauft.

  2. spaectare says:

    Liebe FrauvonWelt!

    Zuerst (schweine)herzhaft gelacht über die Beschreibungen der Fachmessebesuche in der Kinder-/Jugendzeit, dann nachdenklich geworden.

    Sie nahmen mir gerade jegliche Illusion über das süße Leben aller Tiere auf einem deutschen Bauernhof. Und über die segenbringende Chemieindustrie. Und nun bin ich tiefst deprimiert. Und traurig. Und das auch noch an einem ohnehin wettertechnisch runterziehenden Tag. Nur gut, dass ich heute nicht arbeiten muss ….

    Lieben Gruß an die “Weltfrau”, gebürtig aus dem Zentrum des Planeten im westfälischen Hinterland nahe der lippischen Grenze!
    Schönen Feiertag!

    Achim

    Das schwarz-weiße Schwein sieht nett aus ….! Welche Idee hat FrauvonWelt diesbezüglich???

    Und das Outfit der “Schlachterin” ist im warsten Sinne des Wortes scharf.

  3. frauvonwelt says:

    Ja, liebe Svenja, auch ich kann problemlos die Bratwurst schon zum Frühstück genießen. Eis allerdings auch. Und Ihren Schlachter an der Ecke (eigene Schlachtung?) kann man ja fragen, was aus eigener Produktion stammt und was nicht.

    Der deutsche Bauernhof und das süße Tierleben dort. Ja, werter Herr Achim, das ist ein buchfüllendes Thema. Ich bin als Kind wirklich mit meinem Papa zu den Bauern gefahren und habe mit ihm die Schweine ausgesucht. Wenn ich mit einem Mitleid gehabt habe, habe ich gesagt: Papa, das nehmen wir nicht, das ist zu mager. Dann hat Papa gelacht, dem Bauern zugezwinkert und ich hatte das gute Gefühl einer guten Tat. Die Umsetzung meiner Idee wird auch eine gute Tat.

    Herzlich und Hunger
    Ihre FrauvonWelt

  4. Torsten says:

    Ach ja. Fleisch. By the Way: Ich frage mich immer, wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch. Eine Sache, die sich mir nicht ganz erschließt.

    Nichts desto trotz erinnert mich ihr Beitrag an meine Kindheit. Früher, als ich noch mit meinen Eltern des Öfteren auf Reise war, besuchten wir zur Adventszeit immer die Ausstellungen der örtlichen Floristen, bei denen Adventsgestecke und andere schöne Dinge für die Weihnachtszeit angeboten wurden. Ich selbst kann mich allerdings nur an Beine erinnern.

    “Wie komme ich überhaupt auf die Adventszeit?”, denke ich und schaue dabei aus dem Fenster…

  5. frauvonwelt says:

    Herr Luttmann. Sie haben getrunken. Sie haben ganz sicher getrunken. Der Vatertag mag einiges entschuldigen, aber Adventsgestecke… Herr Luttmann… was sehen Sie draußen vor dem Fenster? Jetzt sagen Sie nicht Beine. Dann eile ich sofort zur Rettung.

  6. MaDing says:

    Chemie hin , Chemie her! Ich wuerde wer was was fuer ne frisches Mettbroettchen, ne Bratwurscht, Blutwursct oder ne echt Westfaelischen Wurstebrei geben.
    Es lebe die Deutsche Metzgerkunst (hoffentlich auch bald in Shenzhen)

  7. textorama says:

    Wahhhnsinn: Grace Jones im Kettenhemd. Und die Garben der griffigen Schnedwerkzeuge sind sehr 80er Neon-mäßig. Fabelhaft. Schicker schlachten.

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