Wald der Kindheit (3)

FrauvonWelt hat Post bekommen. So richtige Post. Mit Umschlag und Briefmarke und vom Postboten. FrauvonWelt findet das sehr schön, wenn Menschen sich dieser alten Kommunikationstechnik bedienen. Das hat etwas Nostalgisches, etwas Aufwendiges, man fühlt sich gleich ganz anders ernst genommen. Auf dem Kopf des Briefes strahlt das Logo der Landesgartenschau 2017. Das wurde von der Wuppertaler Agentur Boros kreiert. Hübsch isses. Wuppertal hat wirklich kreative Köpfe.

Aber wer schreibt denn nun? Und warum? Es schreibt der Geschäftsführer der Landesgartenschau Bad Lippspringe 2017. Er hat FrauvonWelts “Internet-Blog” gelesen und ihre Beiträge Wald der Kindheit (1) und Wald der Kindheit (2). Das allein würde ihn aber ganz sicher nicht dazu bewegen, unsere FrauvonWelt zu einem persönlichen Gespräch einzuladen. Viel wahrscheinlicher hat er die vielen kritischen Stimmen auf der Facebook-Seite der Landesgartenschau, in dem “Du lebst schon lange in Bad Lippspringe”-Forum oder auf anderen Facebook-Profilen gelesen.

Viel Wut und Empörung und Bestürzung machte sich dort Luft. Viel zu sinnlos erscheint den Bad Lippspringer Bürgern die weiträumige Abholzung des geliebten Kurwaldes. Hier geht es nicht nur um ein paar Bäume, hier geht es um das Herzstück einer kleinen Kurstadt. Und weil die Bad Lippspringer ihren Kurwald nun einmal lieben, so, wie sie ihn seit Kindertagen kennen, ist jeder gefällte Baum ein Stich in das Herz der Bad Lippspringer. War man sich dessen bewusst, als man den Plänen des Berliner Landschaftsarchitekturbüros sinai zustimmte, das Zentrum des Landesgartenschaugeländes in den Kurwald zu verlegen? Hübsch isser, der Plan. Berlin hat wirklich kreative Köpfe. Aber ausgerechnet der Kurwald?

Man war sich der Reaktionen offenbar nicht bewusst. Ganz sicher war man sich nicht bewusst, was man tat, als man eine Facebook-Seite für die Landesgartenschau einrichtete. Facebook ist mehr als ein bisschen PR, als ein bloßer Verbreitungskanal für eh schon verfasste Webseiten-Artikel. Klar, kann man machen. Machen andere ja auch. Nennt sich Zeit- und Resourcenverschwendung. Dümpelt dann auch schön träge vor sich hin bis zu dem Tag, an dem kritische Stimmen laut werden. Natürlich kann man auf seiner Seite die “Beiträge anderer” gar nicht zulassen oder so verstecken, dass sie zunächst einmal nicht sichtbar sind. Klar, kann man machen. Machen andere ja auch. Kritik ignorieren. Aussitzen. Andere schalten dann auch irgendwann ihre Seite ganz ab, weil sie der kritischen Stimmen nicht mehr Herr werden. Dabei könnte alles so einfach sein. Man müsste nur miteinander reden. Auf Facebook.

Man kann natürlich auch einen Brief an die sogenannten Opinionleader im Web (FrauvonWelt ist nicht die einzige, die einen solchen erhalten hat) schicken. Schließlich gibt es ja das teure Briefpapier mit dem schönen Logo der Wuppertaler Agentur. Krisenmanagementtechnisch ist das sehr gut gedacht. Schnapp ich mir die Meinungsführer und alles wird gut. Auch auf Facebook. Bleibt spannend, ob die Rechnung aufgeht.

FrauvonWelt legt den Brief an die Seite und weiß: Natürlich wird alles gut. Nur der Kurwald, der wird kein Wald der Kindheit mehr sein.

Weitere Berichte:
Wald der Kindheit (1)
Wald der Kindheit (2)

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One Response to Wald der Kindheit (3)

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